Faschis­mus und Öko­lo­gie – eine bri­sante Mixtur

Ralf Fücks. Foto: Ludwig Rauch

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Neue Rechte die Öko­lo­gie-Frage aufgreift.

His­to­risch ist „Öko­lo­gie“ kei­nes­wegs „links“, sondern eher eine Domäne von anti­mo­der­nen, bio­lo­gis­ti­schen und sozi­al­dar­wi­nis­ti­schen Strö­mun­gen („Kampf um Lebens­raum“, Blut & Boden). In Deutsch­land gibt es eine lange Tra­di­ti­ons­li­nie völ­kisch-roman­ti­scher Natur­ideo­lo­gie. Der Medi­zi­ner und Zoologe Ernst Haeckel, der den Begriff „Öko­lo­gie“ prägte, war ein aus­ge­mach­ter Rassist. Konrad Lorenz, der Lieb­lings­öko­loge der Nach­kriegs­zeit, war über­zeug­ter Natio­nal­so­zia­list und Euge­ni­ker. Die moderne Kon­sum­ge­sell­schaft mit ihrer sozi­al­staat­li­chen Abpuf­fe­rung hielt er für eine Dege­ne­ra­ti­ons­er­schei­nung („Ver­haus­schwei­nung des Men­schen“).

Hitler war beses­sen von der Idee des Kampfs um knappe Res­sour­cen. Die NS-Agrar­po­li­tik för­derte den orga­ni­schen Landbau und klein­bäu­er­li­che Betriebe, es gab ein ambi­tio­nier­tes Auf­fors­tungs­pro­gramm und ein umfas­sen­des Recy­cling­sys­tem. In den Anfangs­zei­ten der Grünen spiel­ten braune Öko­lo­gen und Ver­fech­ter eines anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen „Dritten Wegs“ (wie der ehe­ma­lige NS-Schrift­lei­ter August Haus­lei­ter) eine pro­mi­nente Rolle.

In den USA gab es eine enge Allianz zwi­schen Natur­schutz und einer in der Wolle gefärb­ten ras­sis­ti­schen Anti-Immi­gra­ti­ons­po­li­tik. Der berühmte Report zu den „Grenzen des Wachs­tums“, die Bibel der moder­nen Öko-Bewe­gung, war geprägt von einer neo-mal­thu­sia­ni­schen Lesart: die öko­lo­gi­sche Krise ver­langt eine radi­kale Begren­zung von Popu­la­tion, Pro­duk­tion und Konsum.

Das ist kei­nes­wegs bloße Geschichte. In der Neuen Rechten bahnt sich ein Para­dig­men­wech­sel an: von der Leug­nung des Kli­ma­wan­dels zur Adap­tion öko­lo­gi­scher Themen für ihre völ­ki­sche Agenda. Die öko­lo­gi­sche Krise wird zur Begrün­dung für eine Politik der Abschot­tung gegen Flücht­linge und Migran­ten, für einen auto­ri­tä­ren Staat und für eine aggres­sive Kon­kur­renz um knappe Res­sour­cen. Völ­ki­sche Vor­den­ker wie Alex­andr Dugin oder Alain de Benoist haben die Öko­lo­gie-Frage längst in ihr Welt­bild integriert.

Spie­gel­bild­lich zur „Melonen-Politik“ der Öko-Sozia­lis­ten – außen grün, innen rot – die den Kli­ma­wan­del zum Recy­cling sozia­lis­ti­scher Ideen nutzen, ent­wi­ckelt sich eine rechte „Avocado-Politik“ (Nils Gilman) – außen grün, innen braun. Je apo­ka­lyp­ti­scher die War­nun­gen vor der „Bevöl­ke­rungs­bombe“, der Erschöp­fung natür­li­cher Res­sour­cen oder der bevor­ste­hen­den Kli­ma­ka­ta­stro­phe, desto nahe­lie­gen­der sind öko-faschis­ti­sche Ant­wor­ten. Wenn es nicht mehr für alle reicht, ist die wahr­schein­li­che Kon­se­quenz nicht „wir müssen teilen“, sondern eine Ret­tungs­boot-Politik für die „weiße Rasse“. Eine Rhe­to­rik der Angst bläht die Segel der Ultra­rech­ten mit ihrer Wagenburg-Denke.

Eine der libe­ra­len Demo­kra­tie ver­pflich­te­ten Kli­ma­po­li­tik muss Ant­wor­ten auf die öko­lo­gi­sche Krise finden, die nicht opfern, was wir ver­tei­di­gen wollen: unsere frei­heit­li­che Lebens­form und eine offene Gesell­schaft. Wer den Kli­ma­wan­del v.a. mit mas­si­ven Ein­schrän­kun­gen von Pro­duk­tion, Konsum und Mobi­li­tät angehen will, landet fast zwangs­läu­fig im auto­ri­tä­ren Fahr­was­ser. Die Alter­na­tive heißt Frei­set­zung mensch­li­cher Krea­ti­vi­tät, öko­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen im großen Stil zur Ent­kopp­lung von Wohl­stand und Naturverbrauch.

Auch deshalb ist fatal, aus der Not des Corona-Not­stands­re­gimes ein Modell für die künf­tige Kli­ma­po­li­tik machen zu wollen. Umge­kehrt wird ein Schuh daraus: Die Dekar­bo­ni­sie­rung der Indus­trie­ge­sell­schaft erfor­dert nicht Still­le­gung, sondern mehr öko­no­mi­sche Dynamik, mehr Inno­va­tion und mehr Inves­ti­tio­nen zum Umbau unseres Ener­gie­sys­tems, Indus­trie und Verkehr. Wer vor allem auf Restrik­tion setzt, arbei­tet den Rechts­po­pu­lis­ten und Natio­na­lis­ten in die Hände.

 

Siehe auch den kennt­nis­rei­chen Essay von Nils Gilman, Vize­prä­si­dent des Berg­grün-Insti­tuts in Los Angeles.