Ernst Niekisch

Preuße und Nationalbolschewist

von Wolfgang Templin

Sebastian Haffner stellte in einer Porträtreihe „Preußische Profile“ die doppelte Frage, an welcher er seine Zeitgenossen scheitern sah: „Wer war der letzte große Preuße?“ und „Wer war Hitlers wirklicher Gegenspieler?“ Es war für ihn Ernst Niekisch, der als Gescheiterter und Vergessener starb. Seine Synthese von revolutionärem Sozialismus und preußischem Staatsdenken sei einmalig gewesen. Dazu habe er als herausragender Stilist ein „kleistisches Deutsch“ geschrieben, wohl das großartigste Deutsch in diesem Jahrhundert. (1)
In lexikalischen Einträgen der frühen DDR, die um Stilistik nicht so sehr bemüht sind, wird Niekisch als aufrechter Antifaschist und Vertreter des progressiven Erbes gewürdigt. Gegenwärtig streiten Ideenhistoriker und Soziologen darum, welchen Platz der preußische Nationalbolschewist innerhalb der Protagonisten der Konservativen Revolution einnimmt. (2)
Neurechte Intellektuelle sind seit Beginn der siebziger Jahre darum bemüht, den, wie Haffner formuliert: „vergrabenen Schatz, gehütet von einer Handvoll alter Kampfgefährten und dankbarer Schüler“ für sich zu reklamieren. Ernst Niekisch wird zu einem ihrer politischen Vorbilder und Vordenker erklärt. Für Björn Höcke und andere Exponenten des „Flügels“ innerhalb der AfD bis hin zu den rechtsradikalen Identitären zählen zahlreiche seiner Thesen zum festen Kanon ihrer politischen Demagogie. In der „Blauen Narzisse“, einer an junge Leser gerichteten rechten Zeitschrift aus Chemnitz, wird Niekisch zum „blinden Seher“ stilisiert. (3)
Umgekehrt griff ein kleiner Teil ursprünglich linker Achtundsechziger immer wieder auf die nationalrevolutionäre Fixierung von Ernst Niekisch zurück. Sie sahen in ihm einen der Ahnherren der nationalen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt. Bernd Rabehl, der in den 70er Jahren ein enger Mitstreiter Rudi Dutschkes war, bezeichnete Niekisch als einen rechten Antikapitalisten ohne Wurzeln in der Arbeiterbewegung. Bernd Rabehl rückte später mit rechtsextremen und völkisch-nationalistischen Positionen in die Nähe der NPD.
Alexander Dugin, der Hausphilosoph Wladimir Putins, nimmt unter anderem Ernst Niekisch in Anspruch, wenn er dem Sumpf der europäisch-westlichen Welt die Alternative einer euro-asiatischen Gemeinschaft gegenüberstellt.
Bei der verwirrenden Vielfalt und Widersprüchlichkeit all dieser Würdigungen, Bezugnahmen und Vereinnahmungsversuche, die sich auf den Menschen, Politiker und Intellektuellen Ernst Niekisch richten, hilft der genauere Rückgriff auf seine Biografie. Hier lassen sich entscheidende Prägungen und Erfahrungen festhalten, die sein politisches Handeln und intellektuelles Wirken dauerhaft bestimmten. (4)

1. Biografischer Hintergrund

Ein Preuße in Bayern

Der 1889 geborene Ernst Niekisch war knapp zwei Jahre alt, als seine Eltern aus dem schlesischen Trebnitz in das bayerische Nördlingen umsiedelten. Der Süden Deutschlands, Bayern, wurde ihm nie zur Heimat. Er fühlte sich lebenslang als Preuße. Familiengeschichte, Überlieferung und frühe Lektüre spielten hier eine wichtige Rolle. In der Schulzeit, beim späteren kurzen Militärdienst und während der Lehrerausbildung ließen ihn die Fragen nach der Bedeutung und geschichtlichen Stellung Preußens, dem Platz Preußens in Deutschland und Europa nicht los. Ein erstes, lebensprägendes Motiv wird sichtbar. Die Bände Leopold von Rankes „Preußischer Geschichte“ begleiteten ihn überallhin.

Der Vater, ein Feilenhauermeister, kämpfte um seinen sozialen Platz in der von Bauern, Handwerkern und Händlern bestimmten Kleinstadt. Früh musste er einsehen, dass sein einziger Sohn nicht zum Handwerker taugte. In der Schule war Karl May die heimliche Lektüre Niekischs, später auf dem kirchlichen Lehrerseminar wurde bei ihm ein Band von Friedrich Nietzsche konfisziert.

Auf die Vorhaltung, dass er mit dieser Lektüre nicht zum Lehrer tauge, merkte er in seiner Autobiographie lakonisch an: „Das regte mich nicht auf, denn ich teilte diese Meinung“.

Mangels anderer Alternativen nahm er dann doch die Tätigkeit als Lehrer in Kauf. Alles Militärische war ihm eher zuwider und er war froh, dass ihn durch eine Augenschwäche der Militärdienst nur für kurze Zeit festhielt. Anders als zahlreiche seiner Zeitgenossen ließ sich Niekisch nicht vom patriotischen Kriegsrausch anstecken. Seine Hochschätzung soldatischer Tugenden war von preußischem Dienst-Ethos geprägt und hatte nichts mit der ästhetischen Kriegsverklärung des frühen Ernst Jünger zu tun. Der Verfasser der „Stahlgewitter“ rückte für ihn erst wesentlich später näher. Ab den späten zwanziger Jahren fühlten sich beide durch ihre Verachtung und Gegnerschaft zu Adolf Hitler verbunden. (5)

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Soziale Frage und Russiche Revolution

Herkunft und alltägliche Erfahrung konfrontierten Niekisch mit sozialer Ungerechtigkeit und Klassendünkel. Als Mitglied der SPD ab 1917 strebte er einen anderen Weg zur Lösung der sozialen Frage an, als es der demokratische Reformeifer zahlreicher sozialdemokratischer Politiker vorsah.

Preußische Geschichte und Tradition wiesen ihm einen eigenen Weg, der durch den Oktoberputsch der Bolschewiki bestärkt wurde. Für ihn war das eine Jahrhundertrevolution, deren internationale Ausstrahlung die Kriegsniederlage Deutschlands besiegeln musste. Die mit dieser Niederlage verbundenen Unruhen und Kämpfe ließen für ihn einen Moment lang die Macht auf der Straße liegen. Die Sozialdemokraten und Kommunisten Preußen-Deutschlands hatten für kurze Zeit die Chance eines historischen Bündnisses mit den siegreichen aber vom Westen bedrohten Bolschewiki. Deren nach Deutschland gesandter Emissär Karl Radek suchte immer wieder den Kontakt zu Niekisch.

Der sah sich als Verfechter preußischen Staatsgeistes, eines fest gegliederten und doch homogenen Staates, der von arbeitenden Schichten getragen war. Ein Staatsgebilde, welches im Gegensatz zu den liberal, individualistisch und parlamentarisch-demokratisch verfassten Staaten und Gesellschaften des Westens stand, konnte auf eine Symbiose mit seinem östlichen Gegenüber zugehen. Preußen wurzelte für Niekisch historisch im östlichen Teil Europas. Die westliche Flanke des zaristischen Imperiums, dessen Erbe die Bolschewiki antraten, grenzte unmittelbar an. Für ein dazwischen liegendes, souveränes – gar noch westlich orientiertes – Polen blieb hier kein Platz.

Staatsdominanz und Planwirtschaft – im antibürgerlichen Sinne – waren für Niekisch und die Bolschewiki die Zauberformeln zur Lösung der sozialen Frage.

Deutsche Sozialdemokraten, aber auch deutsche Arbeiter, welche die zeitweilige Räteherrschaft und das Bündnis mit den Bolschewiki zugunsten einer parlamentarischen Demokratie aufgaben, machten für Niekisch diese Chance zunichte. Sie lieferten sich, trotz allen Widerstandes gegen den Vertrag von Versailles, den westlichen Siegermächten aus, versuchten deren Staats- und Gesellschaftsordnungen zu kopieren. In der Bindung an den katholischen und anglo-romanischen Westen drohten der protestantische Kern und der eigene europäische Machtanspruch Preußens unterzugehen.

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Der „Widerstand“

Alle politischen Wegstationen von Ernst Niekisch waren in den Folgejahren von dieser Auseinandersetzung geprägt. Seine Aktivitäten in der SPD und USPD, die kurzzeitige Beteiligung an der Münchner Räterepublik, die darauf folgende Festungshaft, die Arbeit als bayerischer Landtagsabgeordneter und Sekretär im Deutschen Textilarbeiterverband und die Beteiligung am Unternehmungen nationalistischer Sozialdemokraten, wie dem Hofgeismarer Kreis, zeugten davon. Seine wichtigste Aufgabe sah er in der Sammlung aller nationalen Abwehrkräfte gegen die mit Versailles verbundene neue europäische Ordnung und Politik.
Bereits parteilos, konzentrierte sich Ernst Niekisch ab 1926 auf die Herausgabe der Zeitschrift „Widerstand“. Die Blätter für sozialistische und nationalrevolutionäre Politik waren ein intellektuelles Diskussionsorgan, dienten jedoch vor allem der Gewinnung eigener neuer Anhänger, der Bildung politischer Kreise, offener und verdeckter Einflussgruppen. Wichtig war hier der Inhalt des Widerstandsbegriffs.

Niekisch war Realist genug, um nicht aktiven Widerstand in jeder Form und jedem Moment zu propagieren. Für ihn war Widerstand ein Warten in höchster Anspannung und ständiger Bereitschaft hin auf den erneuten historischen Moment mit der „Brandfackel in Bereitschaft“.

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Hitler und die Nazizeit

Ernst Niekisch hatte den frühen Hitler aufmerksam wahrgenommen, sich nach 1926 mit „Mein Kampf“ vertraut gemacht und schätzte dessen Verfasser als gefährlichsten Konkurrenten und Gegner ein. Was sie trennte, war Hitlers Antibolschewismus und dessen Bereitschaft für ein Bündnis mit Schwerindustrie, Junkertum und Teilen der Militärkaste sowie seinen sozialen Anspruch und die damit verbundenen Kampftrupps der frühen Jahre zu opfern. Ebenso die Bereitschaft, den ursprünglich antikapitalistischen und antiwestlichen Charakter der NSDAP aufzugeben. Hitlers tiefsitzender Antisemitismus und Rassismus ist so bei Niekisch nicht vorhanden, obwohl sich auch bei ihm immer wieder antisemitische und rassistische Äußerungen finden. (6)

Nach der Machtergreifung Hitlers verwandte Niekisch seine gesamte Energie darauf, Gegner der Neuen Ordnung von Links und Rechts zu mobilisieren.

In seinen politischen Urteilen über das NS-Personal und deren verhängnisvolle Politik war er hart und eindeutig. Für ihn riskierte Hitler mit seinem gegen die Sowjetunion gerichteten Kriegskurs die Existenz Deutschlands. (7)

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In der SED, Rückzug

Kontakte zu deutschen Kommunisten seit den zwanziger Jahren und während der Haftzeit, stärker noch das Aufflammen neuer Hoffnungen, beförderten nach 1945 seinen Weg in die SED und machten ihn für einige Jahre zum antifaschistischen Aushängeschild. Eigensinn und die Weigerung, seinen „nationalrevolutionären Verirrungen“ abzuschwören, führten in den fünfziger Jahren nicht zum offenen Bruch mit der SED. Er blieb zunächst deren stilles Mitglied, legte aber alle Funktionen nieder und zog sich in seine Wilmersdorfer Wohnung zurück. In den letzten Jahren wurde es still um ihn. Er starb an seinem 78. Geburtstag am 23. Mai 1967.

2. Politisches Wirken

Mehrere zentrale Momente in Niekischs politischer und intellektueller Arbeit können seine spätere Wirkung und Aktualität deutlich machen:

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Preußischer Sozialismus

Das Konzept eines Preußischen Sozialismus entwickelte Niekisch in zahlreichen seiner Werke und Schriften. Wie er die Unterschiede und Gegensätze zu modischen „Sozialismen“ sah, die in den Jahren der Weimarer Republik immer populärer wurden, fasste er in einem Abschnitt des ersten Bandes seiner Autobiographie zusammen. (8) Hier machte er es sich zu einfach, wenn er die bürgerliche Intelligenz im Dienste der Großbourgeoisie zur Beschwichtigung und Irreführung am Werke sah. Aufgezählte Werke und Personen helfen jedoch beim besseren Verständnis von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den jeweiligen Sozialismusvorstellungen.

Mit Oswald Spengler zog er einen Autor heran, dessen historiographischem Monumentalwerk „Der Untergang des Abendlandes“ (9) er selbst sehr viel verdankte. Mit seiner Schrift „Preußentum und Sozialismus“ begab sich jedoch Spengler auf Niekischs ureigenstes Terrain. Beide einte die Verbindung von Preußentum und Sozialismus, bei der sich Spengler jedoch viel bürgernäher zeigte, als dies Niekisch akzeptieren konnte. Spengler machte den preußischen Bürokraten zum sozialistischen Mustermenschen, sah Sozialismus als Gemeinschaftsbildung aus der Ethik des Preußentums erwachsen. Niekisch hingegen wollte mit seiner Anlehnung an die Bolschewiki einen neuen Typus des sozial breiter gefassten Arbeiters als werktätigem Menschen schaffen.

Moeller van den Bruck hingegen, war in seiner Variante des Sozialismus für Niekisch von junkerlichem Patriarchalismus und Visionen des Mittelalters besetzt. Noch schlechter kam Werner Sombarts „Deutscher Sozialismus“ weg. Der war mit seinem Plan- und Autarkiekonzept nicht dem Arbeiter, sondern dem mittleren Bauern und Unternehmer auf den Leib geschnitten. Damit stellte er für Niekisch nur ein Ablenkungsmanöver vom wesentlichen Problem dar – der Befreiung und Neuschaffung des Arbeiters. Kategorisch war das Urteil von Niekisch, wenn es um seinen Lieblingsfeind ging. Hitlers „Mein Kampf“ übersetzte für ihn Spenglers preußischen und Moellers deutschen Sozialismus in die „Sprache der geistig Armen“.

Durchaus mit Respekt wurde Karl Marx behandelt. Dennoch war er für Niekisch letztlich inakzeptabel, mit seiner Bindung an die Werte der Aufklärung und westliche ökonomische Rationalität. Der bolschewistische Staatsdespotismus Lenins – wenngleich nur als Übergang gedacht – stand ihm da wesentlich näher.

Der „Widerstand“ und sein Charakter

Der „Widerstand“ war für Niekisch viel stärker eine Bewegung als eine bloße Zeitschrift, die von 1926 bis 1934 existierte. Die Aktivitäten seiner Anhänger reichen weit über die Machtergreifung Hitlers hinaus. Aus nie zweifelsfrei geklärten Gründen konnte die Zeitschrift bis 1934 weiter erscheinen und wurde dann von einem bereits illegal vertriebenen Informationsdienst abgelöst.

Das Risiko weiterer aktiver Betätigung stieg für alle Beteiligten und erlegte Niekisch eine besondere Verantwortung auf. In Entscheidungssituationen konnte er sich durchaus zurückhaltend zeigen. Er bremste die radikalsten Feuerköpfe an der Spitze der Münchner Räterepublik und enthielt sich bei Abstimmungen dort mehrfach der Stimme. In den entscheidenden Tagen der Novemberrevolution, während der Dezember- und Januarkämpfe zog es ihn nach Berlin und er wusste, dass es zum Bürgerkrieg kommen konnte. Innerlich zögerte er, obwohl er den Erfolg der Bolschewiki zutiefst wünschte.

Prinzipiell gegen die Folgen des Versailler Vertrages für Deutschland eingestellt, gab er in einem Gespräch zu, dass er ihn wohl selbst unterschrieben hätte, jedoch mit zusammengebissenen Zähnen und abgewandtem Gesicht.

Ein guter Taktiker war Niekisch nie und darum fehlte ihm auch einiges zum erfolgreichen Politiker.

Wo waren ab 1926 die Grenzen des „gespannten Wartens“, wann rückten entscheidende Momente, die Handeln erforderten, heran? Wer konnten dann die Akteure sein?

Die Zeitschrift von Niekisch wurde in allen Kreisen gelesen und fand auch ihren Weg in das Offizierskorps der Reichswehr. Er selbst hatte zahlreiche Kontakte dahin, traf sich auch immer wieder mit Mitgliedern der Reichswehrführung. Was er ihnen am meisten verübelte, war das taktische Verhältnis zur Sowjetunion. Sie schätzten und betrieben die offene und verdeckte Militärkooperation mit der Sowjetunion, sahen diese aber lediglich als vorübergehenden Bündnispartner. (10)

Als noch sträflicher rügte Niekisch die permanente Unterschätzung Hitlers, vor dem er unablässig warnte.

Hitlers Anhängerschaft wuchs zusehends. Niekisch wollte die Jugendbünde, das Militär, das nationale Bürgertum gegen die NSDAP organisieren, spannte alle Anhänger und Kräfte seines Widerstands dafür ein, alles vergebens. Er suchte, sich mit Georg Strasser und den proletarischen Exponenten der Hitleranhänger zu verbinden, um diese von ihm abzuziehen. Ebenso wenig Halt machte er vor Vertretern des gehassten und abgelehnten Bürgertums. Dort machten die Gleichen, welche ihm interessiert zuhörten, im Rahmen der Harzburger Front gemeinsame Sache mit Hitler. Es kam auch zu einer Begegnung mit Ludendorff und dessen Frau Mathilde. Den von beiden propagierten Weg „eigener deutscher Gotteserkenntnis“ hielt Niekisch für wirre Spinnerei.

Er hoffte bis zur letzten Minute auf eine Alternative zu Hitler. Der Reichswehrgeneral und Hitlergegner, Hermann von Schleicher, wurde von Hindenburg im Dezember 1932 als Reichskanzler eingesetzt. Er stand Niekisch mit dem Konzept einer links-rechten Querfrontregierung nahe. Schleicher hätte es nach seiner Überzeugung noch im Januar 1933 in der Hand gehabt, die nazistische Führerschaft festzusetzen und unschädlich zu machen. Im Juni 1934 büßte Schleicher seine Gegnerschaft zu Hitler im Zuge der Röhm-Affäre mit dem Leben.

Fortgesetzte Sammlung der Hitlergegner, Verhaftung und Gefängnis

So intensiv Niekisch nach Hitlergegnern in allen politischen Parteien und Tendenzen suchte, so intensiv wurde er von Anhängern der Linken und der Rechten, von Kommunisten und Nationalsozialisten gleichermaßen umworben. Was ihn und seine Anhänger im Abstand zu den deutschen Kommunisten hielt, war deren Bereitschaft sich Moskau bedingungslos unterzuordnen. Für Niekisch ging es um ein Bündnis, das in eine dauerhafte preußisch- sowjetrussische Zusammenarbeit münden konnte, bei Wahrung der nationalen Interessen. Die despotische Verfasstheit und Brutalität seiner Gegenüber schreckten ihn dabei nicht im Mindesten. Er sah sie als vorübergehend und, dem höheren preußischen Einfluss ausgesetzt, künftig schwindend. Für die Begegnung mit kommunistischen Funktionären galt die Formulierung:

Wir sind keine Kommunisten aber wir sind, wenn es das nationale Lebensinteresse erfordert, des Kommunismus fähig“.

Unter diesem Vorzeichen stand 1932 auch eine Reise in die Sowjetunion, welche Niekisch mit deutschen Ökonomen zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft nach Moskau führte. Sowjetische Lebensrealitäten nahm er dabei nur sehr selektiv zur Kenntnis, die inneren politischen Zustände interessierten ihn nur am Rande. Dafür traf er sich mit seinem alten Freund Radek, den er als guten Propheten erlebte:

Er [Radek] sah den Sieg Hitlers voraus und meinte, die friedliebende Sowjetunion werde sich notfalls auch mit einem Hitlerdeutschland vertragen. Freilich halte er Hitler und die Nazis überhaupt für politisch viel zu dumm, um die Chance ermessen zu können, die eine deutsch-russische Zusammenarbeit in sich begreifen würde.“

Hier war Niekisch aus guten Gründen anderer Meinung. Hitler zu unterschätzen lag ihm nicht. (11)

Der nationalsozialistischen Führungsclique um Hitler ging es darum, mit Niekisch einen ihrer gefährlichsten öffentlichen Gegner zu neutralisieren. Die Machtübernahme hatte noch keine endgültige Entscheidung zu ihren Gunsten erbracht, der Kampf mit den Widersachern in den eigenen Reihen war noch nicht abgeschlossen. Andererseits gab es zahlreiche intellektuelle und politische Akteure, die übergelaufen waren und dem Führer die Treue schworen. Warum nicht auch Niekisch?

Goebbels persönlich versuchte es mehrfach mit verlockenden Angeboten und scheiterte an der Haltung seines Gegenübers. Ernst Niekisch blieb bei seiner strikt ablehnenden Haltung und hatte die Genugtuung, dass sich nun auch Oswald Spengler auf seine Weise verweigerte. Der sollte auf Wunsch Goebbels eine Rede zur Versöhnung von Preußentum und Sozialismus zum Tag von Potsdam am 31. März 1933 halten und kam diesem Wunsch nicht nach.

Wenn der Emporkömmling, Demagoge und Katholik Hitler nun auch noch nach dem Geist des Preußentums griff, konnte das den Widerstandsgeist Niekischs nur befeuern. Angesichts der allgemeinen Rückgratlosigkeit, die ihn umgab, formulierte er bitter:

In Zukunft wird es heißen: Charakterlos wie ein deutscher Beamter, gottlos wie ein protestantischer Pfaffe, ehrlos wie ein preußischer Offizier.“

In den Jahren bis zu seiner Verhaftung im Sommer 1937 war Niekisch in Deutschland und Europa unermüdlich unterwegs, feuerte die eigenen Anhänger an, hatte Kontakte zu Mitgliedern der Roten Kapelle, des kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstands, monarchistischen und konservativen Hitlergegnern.

Als er von der Ermordung von Erich Mühsam, seines Kampfgefährten aus den Zeiten der Münchner Räterepublik, erfuhr, kommentierte er das mit den ihm eigenen Worten: „Die SA-Schergen gönnten dem armen Mühsam das Leben nicht. Sie hängten ihn auf.“ Die Gefahren seines Tuns waren Niekisch durchaus bewusst. In Rom schaffte er es, zu Mussolini vorgelassen zu werden, versuchte den zur gemeinsamen Gegnerschaft gegen Hitler zu überreden. Auch das war vergeblich. (12)

Auf seinen Reisen traf er sich erneut mit Ernst Jünger und nahm die opportunistischen Elemente in dessen selbst erklärter inneren Emigration sehr wohl war. Dennoch verteidigte er ihn später gegen den Vorwurf, ein Parteigänger Hitlers gewesen zu sein. Mit dem ursprünglich wesensverwandten Carl Schmitt, der sich mittlerweile als Kronjurist des Führers sah, konnten beide nicht mehr viel anfangen. Bei aller ihm innewohnenden Stärke und Sturheit musste Niekisch zunehmend feststellen, dass das widerständige Weiterleben in Deutschland „an der Nervenkraft fraß“.

Im Juni 1937 kam es zur Verhaftung von Ernst Niekisch und mehreren Dutzend Beteiligter an seiner Widerstandsbewegung. Um ihn zu brechen und gefügig zu machen, wurde auch seine Frau wegen Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats in Untersuchungshaft genommen und sein Sohn für längere Zeit festgesetzt.

Niekisch ging auf keine Kooperations- und Stillhalteangebote ein und wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu lebenslanger Haft verurteilt. Der „aufrechte Gang unter das Fallbeil“, den er einigen seiner Mithäftlinge anempfehlen musste, blieb ihm erspart.

Er kam nach mehreren Haftstationen in das Gefängnis Brandenburg-Göhren. Dabei hatte er das Glück, auf den Transportwegen und Stationen der Unterbringung immer wieder auf Polizei- und Kriminalbeamte zu stoßen, die sich als frühere Leser des „Widerstands“ zu erkennen gaben und mit anständiger Behandlung revanchierten.

Sein immer schlechterer Gesundheitszustand – Lähmungserscheinungen und das fast zur völligen Erblindung führende Augenleiden – machte die Unterbringung im Haftkrankenhaus notwendig, in dem er auch die letzten Momente Hitlerdeutschlands erlebte. Bis zum letzten Moment nutzte er die Gelegenheit zu Studien und zur Vorbereitung künftiger Manuskripte. Mitgefangene lasen ihm dafür stunden- und tagelang vor. Mit einem Krankentransport konnte er Brandenburg verlassen, als dort bereits die Kämpfe tobten, irrte dann tagelang im zerstörten Berlin umher, bis es seiner Frau gelang, ihn zu finden.

3. Nach 1945

Der deutsche Weg zum Sozialismus

Ernst Niekischs Zusammengehen mit den Kommunisten um Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck hielt rund zehn Jahre an. Für ihn war es der Versuch, seine ursprünglichen Hoffnungen auf ein preußisch-nationalbolschewistisches Bündnis in eine völlig veränderte Zeit hinüber zu retten. Er hatte die Realitäten der Kriegsniederlage Deutschlands und den damit verbundenen Untergang Preußens vor Augen.

Niekisch musste ohnmächtig zur Kenntnis nehmen, dass sich in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands ein ihm zutiefst fernes westliches Wirtschaftsmodell, eine westliche politische Ordnung etablierten.

Im Alltagsleben kapitulierte die von ihm verehrte deutsche Hochkultur vor den zersetzenden Einflüssen der westlichen Dekadenz. Preußen und der Geist Preußens waren nicht mehr zu retten. Deutschland lag am Boden und hatte sich die Gründe für seine Niederlage und Aufteilung selbst zuzuschreiben. Was konnte unter diesen Umständen noch möglich sein, um die Zukunft eines grundlegend veränderten und derzeit machtlosen Deutschlands zu retten?

Niekisch nahm, so schnell es ihm möglich war, Kontakt zu hochrangigen Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht auf, nutzte seine Bekanntheit und weit zurückliegende Beziehungen. Er forschte seine Gesprächspartner nach den Plänen für ein künftiges Deutschland aus. In den ersten Nachkriegsjahren gab es die verschiedensten Vorstellungen dazu. Die Möglichkeit eines wiedervereinigten neutralen Deutschlands in der Mitte Europas stand im Raum. Stalin wurden derartige Planspiele zugeschrieben. (13)

Ernst Niekisch konnte und wollte sich mit einer solchen Situation nicht anfreunden. Zu fest sah er die westlichen Teile Deutschlands bereits im Klammergriff der dortigen Alliierten. Die Sowjetische Besatzungszone und spätere DDR litt unter der Last der Kriegszerstörungen und Reparationen, sie war von der Marshallplan-Hilfe ausgeschlossen. Konnte nicht in dieser doppelten Benachteiligung die eigentliche Chance liegen? Schließlich kam die westliche Hilfe nicht aus Uneigennützigkeit, sondern hatte deutsche Selbstaufgabe zum Preis. In der westdeutschen Wohlstandssicherung der Wirtschaftswunderjahre erstarb für Niekisch der Wille zu einem eigenen deutschen Dasein. Im Rahmen der Wiederbewaffnung sah er Deutsche zu „Landsknechten, Söldnern und Reisläufern in amerikanischen Diensten“ werden.

Niekisch suchte nach wie vor das Gegenmodell und konnte die siegreiche Sowjetunion auf neue Weise als aktuellen und künftigen Bündnispartner sehen. Als Partner, der aber nicht ein ewiger Hegemon sein musste. Politischer Terror, Übergriffe und die hemmungslose Ausplünderung der SBZ / DDR, für die er als Kriegsfolge sogar noch Verständnis aufbrachte, hinterließen ihre Spuren. Er sah einen heimlichen, verdeckten Protest, der sich regte und für ihn sogar wieder preußische Züge annahm.

War es nicht so, dass die verhängnisvolle Versuchung zur Selbstaufgabe im Westen dem Osten die opferreiche Prüfung zur Selbstbehauptung auferlegte? Dass im Osten der wahre Deutsche überdauerte? (14)

Offen blieb nur die Frage, ob der deutsche Osten seine Prüfung bestehen würde. Die vielen Republikflüchtigen waren Bürger, die der Prüfung entliefen, sie waren ihr nicht gewachsen.

Wenn es nicht Preußen sein konnte, was seinen Weg zu alter Größe ging, dann war vielleicht ein eigener deutscher Weg zum Sozialismus möglich – zunächst unter dem Schutzmantel der Sowjetunion. Warum sollte man dem kriegsmüden Westen mit dem Versprechen der Neutralität nicht die Wiedervereinigung und den Abzug der Amerikaner abhandeln können? Warum musste Westberlin ein Agentennest und ein Stachel im Fleisch des friedlichen Aufbauwerks der DDR bleiben?

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Politische Visionen

Der Umgang mit diesen Fragen und eine mögliche eigene Antwort darauf führte den gesundheitlich schwer angeschlagenen Ernst Niekisch im ersten Jahrzehnt der Nachkriegszeit erneut in ein unruhiges Reise- und Vortragsleben. Er sammelte überlebende und verstreute Anhänger um sich, doch sein Ehrgeiz ging weiter. Als Nahziel stand ihm die gesamtdeutsche Vereinigung von SPD und KPD vor Augen. Im Bewusstsein des besseren Organisationsgrades der in der Emigration dezimierten aber zugleich gestählten Kommunisten böte das die Chance, originär sozialistische Ansätze in allen Besatzungszonen zu stärken. In der Perspektive, zu einer gesamtdeutschen gesellschaftlichen Umwälzung zu gelangen, statt der Restauration des Kapitalismus anheimzufallen.

Als sich die Berliner Sozialdemokraten und die Kurt Schuhmacher-Anhänger in den Westzonen erfolgreich wehrten, wurden sie für ihn erneut zu Arbeiterverrätern. Niekisch trat in die KPD ein und wurde SED-Mitglied. Er musste sich als Vorzeige-Antifaschist mit seiner Präsenz in der SBZ begnügen und mit den eigentlich ungeliebten Funktionären der entstehenden SED arrangieren.

Es fiel Niekisch schwer, sich Illusionen über Walter Ulbricht und den überwiegenden Teil der Moskauer Emigranten zu machen, die in Führungsfunktionen einrückten. Er hoffte auf die Zukunft, setzte auf Intellektuelle und politische Partner mit Rückgrat.

Alle Ebenen auf denen er tätig wurde, so seine Funktionen in der Nationalen Front, im Kulturbund, seine spätere Mitgliedschaft in der Volkskammer, mussten ihn letztlich eines Besseren, vielmehr Schlechteren belehren. An der Berliner Humboldt-Universität und mit einer Professur, die man ihm dort antrug, hielt die antifaschistische Offenheit des Anfangs nur kurz an.

Auf der anderen Seite genoss er die Ehrungen und letztlich auch Privilegien, die ihm zu Teil wurden. Zu seinem sechzigsten Geburtstag im Mai 1947 waren echte Anhänger und beflissene Funktionäre versammelt. Alles Gesprochene wurde in Berichten festgehalten.

Auf einer Reise in die Sowjetunion, die ihn mit hochrangigen Regierungsvertretern, darunter Hilde Benjamin und Walter Eggerath, im November 1949 wochenlang in die Sowjetunion führte, blieb die dortige Wirklichkeit konsequent ausgeblendet und auch Niekisch drang keinen Moment zu ihr vor. Ihm stand vor Augen, dass die deutsche Republik Hand in Hand mit Russland einer großartigen Zukunft entgegensehen konnte. Die Stolpersteine auf dem Weg dorthin sah er sehr wohl, zog es aber vor, seine Bedenken in Denkschriften, Memoranden und Tagebüchern festzuhalten. Er unterstützte intern Anton Ackermann, der mit seinen Überlegungen eines besonderen deutschen Weges zum Sozialismus zum Widersacher Walter Ulbrichts wurde und Glück hatte, nur als Abweichler und nicht als Feind verurteilt zu werden.

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Die frustrierende Wirklichkeit

Den Volksaufstand von 1953 sah Ernst Niekisch zwiespältig. Auf der einen Seite sah er den politischen und ökonomischen Kurs der DDR-Führungsspitze unter Walter Ulbricht als verfehlt an, betrachtete die Verantwortlichen als Bankrotteure. Auf der anderen Seite war er felsenfest davon überzeugt, dass es sich hier nicht um einen Arbeiteraustand handeln konnte. Wirkliche Arbeiter würden sich nicht gegen eine bei allen Fehlern letztlich sozialistische Ordnung auflehnen. Hier waren amerikanisch-imperialistische Provokateure am Werk, die aus der Frontstadt Westberlin gelenkt wurden. Im Zwiespalt zwischen Bankrotteuren und Provokateuren schlug sich Niekisch auf die Seite der Bankrotteure. Noch eindeutiger war seine Sicht auf den Ungarnaufstand von 1956.

Die Sowjetunion hatte alles Recht, hatte die Pflicht, ihre internationale Präsenz zu schützen – mit dem Ziel der aus weiteren nationalen Befreiungsrevolutionen erwachsenden Weltrevolution vor Augen.

Hochfliegende Hoffnungen auf derlei Perspektiven erlösten Ernst Niekisch nicht aus der Erbärmlichkeit alltäglicher DDR-Erfahrungen. Er wurde für einen Großteil der Verantwortlichen und Funktionäre immer lästiger, da er häufig genug nicht bereit war, den letzten Preis der Anpassung zu bezahlen, sich von Freunden loszusagen oder Verrat zu begehen. Bei einer Überprüfung seiner Parteimitgliedschaft erwachte die alte Widerborstigkeit in ihm und er entzog sich einfach dem Verfahren. Da er den demonstrativen Bruch scheute, wählte er ab 1957 den Rückzug in seine nie aufgegebene Wohnung in Wilmersdorf und damit in die ungeliebte „Frontstadt“ Westberlin.

Ein quälend langes Verfahren um die Anerkennung einer Haftentschädigung für die Gefängnisjahre in der NS-Zeit zog sich in den fünfziger und frühen sechziger Jahren durch alle Instanzen der Westberliner Justiz. Ihm wurde der Anspruch auf eine Entschädigung verwehrt, da er sich nach dem Krieg in den Dienst einer totalitären Macht gestellt habe. Erst ein spätes, persönliches Eingreifen Willy Brandts als Regierender Bürgermeister machte diesem unwürdigen Vorgang ein Ende.

Über den Autor: Wolfgang Templin ist Publizist und Autor und schreibt zu Themen der deutschen Zeitgeschichte und Osteuropa.
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  1. Sebastian Haffner/Wolfgang Venohr: „Preussische Profile“, Königstein/Ts. 1980. S.247–259
  2. Hier gibt Volker Weiß mit seiner Darstellung zur Entwicklung der neuen Rechten einen wichtigen Überblick:
    Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte – Die neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“, Stuttgart 2017.
  3. Da Ernst Niekisch – verschlimmert durch die Haftsituation – im Alter tatsächlich weitgehend erblindet war, mutet die Überhöhung eher geschmacklos an.
  4. Die beiden Bände der Autobiographie von Ernst Niekisch haben die Irrfahrt durch mehrere Verlage hinter sich, bis sie letztlich in Köln erscheinen konnten: Ernst Niekisch: „Erinnerungen eines deutschen Revolutionärs“, Band 1: „Gewagtes Leben 1889–1945“; Band 2: „Gegen den Strom 1945-1967“, Köln 1974.
  5. Der Streit um die Nähe oder Distanz Jüngers zum Nationalsozialismus zieht sich durch die biographische Debatte und die literarische Auseinandersetzung um seine Person. Ihn zum engen Parteigänger Hitlers zu machen ist jedoch verfehlt.
  6. Immer wieder rückt Ernst Niekisch Juden in den Mittelpunkt ökonomischer Existenz: „wo Wirtschaft ist, da ist der Jude obenauf … Der Jude liebt es, seine existenzielle Gebundenheit an die ökonomische Rationalität zu verschleiern, er möchte das gute Verhältnis, das er zu dieser unterhält, dem Zufall in die Schuhe schieben.“, in: Ernst Niekisch: „Die dritte imperiale Figur“, Berlin 1935, S. 23.
  7. Neben zahlreichen Aufsätzen und Flugschriften sind es hier zwei Publikationen, die vor und nach der Machtergreifung Hitlers entstanden, illegal zirkulierten und zur Grundlage der Anklage der Vorbereitung zum Hochverrat wurden: Ernst Niekisch: „Hitler – Ein deutsches Verhängnis“, Berlin 1932; Ernst Niekisch: „Das Reich der niederen Dämonen – Eine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus“, Berlin 1953.
  8. Ernst Niekisch: „Erinnerungen eines deutschen Revolutionärs“, Band 1: „Gewagtes Leben 1889-1945“, Köln 1974, S. 134–138.
  9. Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“, Berlin 1917.
  10. Wie diese Kontakte, Kalküle und Inkonsequenzen aussehen konnten, zeigt der Autor Hans Magnus Enzensberger am Beispiel des Reichswehrchefs Kurt von Hammerstein. Hans Magnus Enzensberger: „Hammerstein oder der Eigensinn – Eine deutsche Geschichte“, Frankfurt/M. 2008.
  11. Die Schilderung seiner Reiseerlebnisse in der Sowjetunion verbindet Niekisch mit Projektionen über die schöpferische Kraft des Arbeiters und die ordnende Funktion des Arbeiter- und Bauernstaates. Ernst Niekisch: „Erinnerungen eines deutschen Revolutionärs“, Band 1: „Gewagtes Leben 1889-1945“, Köln 1974, S.216–226.
  12. Der Inhalt der Begegnung mit Mussolini ist natürlich nur durch Niekisch selbst dokumentiert. Er schwankt hier zwischen Selbstüberschätzung und der verzweifelten Hoffnung, doch noch den Gang der Dinge beeinflussen zu können.
  13. Die Realität dieser Pläne Stalins ist in der zeithistorischen Literatur seit Jahrzehnten umstritten. Man kann davon ausgehen, dass Stalin und Mitglieder der sowjetischen Führungsspitze solche Überlegungen lancierten, dabei aber am strategischen Fernziel kommunistischen Vordringens in Europa und weltweit festhielten. Westliche Friedensfreunde und Neutralitätsanhänger galten dabei als „nützliche Idioten“.
  14. Solcherart formulierte Hoffnungen auf die deutsche Daseinsbehauptung im Osten liefern den Protagonisten der Neuen Rechten nach dem Ende der DDR eine ideale Argumentationsgrundlage. Das wahre deutsche Wesen ist für sie unter der Eisdecke und den Trümmern der Diktatur zu finden und strebt zu neuer Größe.