Oswald Speng­ler

Auto­ri­täre Anti-Aufklärung
und der Mythos vom kul­tu­rel­len Unter­gang des Abendlandes

von Lars Rensmann

Oswald Speng­ler war einer der mar­kan­tes­ten Ver­tre­ter der „Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tion“. Dieser Aufsatz fragt kri­tisch nach dem Gehalt und der Pro­ble­ma­tik seines Denkens aus der Per­spek­tive seiner Wirkung und gegen­wär­ti­gen Bedeutung.
Mit seinem Haupt­werk „Der Unter­gang des Abend­lan­des“ und seinen poli­ti­schen Schrif­ten hatte Speng­ler prä­gen­den Ein­fluss auf die intel­lek­tu­el­len kul­tur­pes­si­mis­ti­schen und anti-demo­kra­ti­schen Dis­kurse und Ideen der Wei­ma­rer Repu­blik. Er beför­derte die Sehn­sucht nach einem neuen auto­ri­tä­ren Zeit­al­ter – einem neuen Cäsa­ren­tum und preu­ßisch-auto­ri­tä­ren Natio­na­lis­mus. Speng­lers Werk ver­sucht sich an einer all­um­fas­sen­den, zykli­schen Geschichts­phi­lo­so­phie auf kul­tur­mor­pho­lo­gi­scher Grund­lage, welche das orga­ni­sche Leben und Abster­ben von Kul­tu­ren zu indi­vi­du­el­len Lebens­pro­zes­sen analogisiert.
Seinem Werk sprach Speng­ler selbst pro­phe­ti­sche Kraft zu. Sowohl die fata­lis­tisch-apo­ka­lyp­ti­sche Grun­die­rung der These vom – nach Speng­ler unver­meid­li­chen – Unter­gang des Abend­lan­des sowie zudem vor allem die mythi­sche Ver­göt­zung homo­ge­ner, her­me­tisch-essen­tia­lis­tisch von­ein­an­der abge­grenz­ter und sich fremder natio­na­ler Kul­tur­see­len als über­in­di­vi­du­elle Sub­jekte geschicht­li­cher Ent­wick­lun­gen fanden breite Reso­nanz in der frühen Wei­ma­rer Repu­blik, aber auch über die deut­sche Gesell­schaft hinaus.
Theodor W. Adorno kri­ti­sierte triftig Speng­lers anti-auf­klä­re­ri­sche Ver­klä­rung der Geschichte zur Natur, die von kos­mi­schen See­len­tü­mern bestimmt sei, wobei Speng­ler die „Phi­lo­so­phie zur Astro­lo­gie“ ernied­rige, um schließ­lich einen neuen auto­ri­tä­ren Cäsa­ris­mus nicht nur zu pro­phe­zeien, sondern auch zu erseh­nen. Wie bei vielen Denkern der „Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tion“ fluk­tu­ierte Speng­lers Rezep­tion, vom Höhe­punkt der Popu­la­ri­tät nach dem Erschei­nen des ersten Bandes des „Unter­gangs“ 1918 bis zur Gegen­wart. Derzeit zeigen sich Kon­tu­ren einer rela­ti­ven Speng­ler-Renais­sance im öffent­li­chen Raum, gestützt von intel­lek­tu­el­len Milieus sowie vom Zeit­geist einer wie­der­erstark­ten anti-libe­ra­len „Neuen Rechten“ und einer inter­na­tio­na­len auto­ri­tär-natio­na­lis­ti­schen Revolte. .

1. Bio­gra­fie

His­to­ri­scher Kontext

Der 1880 gebo­rene Speng­ler gilt als eine der mar­kan­tes­ten Stimmen der so genann­ten „Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tion“ und als einer der anti-demo­kra­ti­schen und anti-libe­ra­len Vor­den­ker eines moder­nen auto­ri­tä­ren Zeit­al­ters in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts. Auf­ge­wach­sen als Sohn eines Post­be­am­ten ließ sich Speng­ler nach mathe­ma­tisch-natur­wis­sen­schaft­li­chem und phi­lo­so­phi­schem Studium in Halle, Berlin und München sowie einer Dis­ser­ta­tion zum Thema „Der meta­phy­si­sche Grund­ge­danke der Hera­kli­ti­schen Phi­lo­so­phie“ und sechs Jahren im Schul­dienst in ver­schie­de­nen deut­schen Städten als Schrift­stel­ler und Pri­vat­ge­lehr­ter in München nieder. (1)

Speng­ler war von eli­tä­rem und auto­ri­tä­rem Denken geprägt. Er brachte im Ein­klang mit vielen seiner Zeit­ge­nos­sen – sowohl seine Ver­ach­tung der Demo­kra­tie und Mas­sen­ge­sell­schaft zum Aus­druck, als auch, seit 1911, seine „Abnei­gung gegen­über der als schwäch­lich betrach­te­ten Politik des Wil­hel­mi­ni­schen Deutsch­land.“ (2) Für die zeit­ge­nös­si­sche (Münch­ner) Künst­ler- und Intel­lek­tu­el­len­szene mit ihrem vul­gä­ren, an die Massen gerich­te­ten Anti­se­mi­tis­mus hatte Speng­ler eben­falls nicht viel übrig.

Der Erfolg des ersten Bandes des „Unter­gan­ges des Abend­lan­des“ (1918) und seine poli­ti­schen Schrif­ten lösten etliche Kon­tro­ver­sen über Speng­ler aus, machten ihn aber auch zu einer der gewich­tigs­ten natio­na­lis­ti­schen intel­lek­tu­el­len und poli­ti­schen Stimmen in der und gegen die Wei­ma­rer Republik. 

In den 1920er Jahren ver­suchte Speng­ler, der weder die Kriegs­nie­der­lage noch die Demo­kra­tie aner­kannte, auf ver­schie­de­nen Wegen, Ein­fluss auf die Politik zu nehmen und eine Dik­ta­tur her­bei­zu­füh­ren. Speng­ler fand hierbei zahl­rei­che bedeu­tende Unter­stüt­zer im deutsch­na­tio­na­len und natio­nal­li­be­ra­len Spek­trum. (3) Dass Speng­ler von einer tota­li­tä­ren Lenkung der Presse träumte, die einen cäsa­ris­ti­schen Putsch flan­kie­ren sollte, findet sich in Ansät­zen bereits in seinem Haupt­werk, wie Paul Hoser auf­zeigt. In der Früh­phase der Wei­ma­rer Repu­blik ver­suchte Speng­ler dann, solche pres­se­po­li­ti­schen Macht­pläne selbst mit Intri­gen auch in die Tat umzu­set­zen, doch nur „während der unsta­bi­len Zeit, von 1920 – 1923, sah es so aus, als könne er wirk­lich eine gewisse poli­ti­sche Bedeu­tung erlan­gen.“ (4)

Das Werben der Natio­nal­so­zia­lis­ten während der Wei­ma­rer Repu­blik und in der Früh­phase des NS-Regimes, pro­pa­gan­dis­ti­sche Füh­rungs­rol­len anzu­neh­men, beschied der „kon­ser­va­tive Revo­lu­tio­när“ Speng­ler hin­ge­gen negativ – obwohl er zu Natio­nal­so­zia­lis­ten wie Georg Stras­ser seit den 1920er Jahren ein per­sön­li­ches Ver­hält­nis pflegte.

In den drei Jahren der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur bis zu seinem Tod im Jahr 1936 distan­zierte sich Speng­ler zuneh­mend vom Régime, das er in einem zweiten Band seiner „Jahre der Ent­schei­dung“ in die Nähe des von ihm ver­hass­ten Bol­sche­wis­mus rücken wollte. 

Phi­lo­so­phi­scher Kontext

Speng­lers intel­lek­tu­el­ler Wer­de­gang ist, laut Speng­ler-For­scher Dome­nico Conte, neben essen­tia­lis­ti­schen völ­ker­kund­li­chen Grund­an­nah­men, Goethes Mor­pho­lo­gie und der zeit­ge­nös­si­schen Lebens­phi­lo­so­phie (ins­be­son­dere mit Nietz­sche als Vorbild) von der Spät­phase des His­to­ris­mus geprägt – wofür auch Martin Hei­deg­ger Speng­ler wür­digte. (5) Speng­lers geschichts­phi­lo­so­phi­sches Denken ist zudem stark beein­flusst von Hegel, ohne Hegels Ratio­na­lis­mus und Idea­lis­mus auch nur ansatz­weise zu teilen. Im Kon­trast zu Hegel ver­ab­schie­dete sich Speng­ler von ratio­na­len Ideen der Ver­nunft und Wahr­heit, die in Tat­sa­chen erschei­nen, und setzt dem anti-auf­klä­re­risch ein quasi-orga­ni­sches, mythi­sches, schick­sal­haf­tes See­len­le­ben der Kul­tu­ren, das Tat­sa­chen her­vor­bringt, und (Kultur-)Relativismus ent­ge­gen. Der Phi­lo­soph Herbert Schnä­del­bach nannte Speng­lers Phi­lo­so­phie deshalb poin­tiert eine „Meta­phy­sik des Irra­tio­na­len“. (6)

Im Beson­de­ren ist Speng­lers Werk und poli­ti­sches Denken im Kontext der ersten Jahr­zehnte des 20. Jahr­hun­derts in Deutsch­land zeit- und ideen­ge­schicht­lich zu ver­or­ten. Zu diesem Kontext zählen die kul­tur­pes­si­mis­ti­schen, anti-libe­ra­len und auto­ri­tär-natio­na­lis­ti­schen geis­ti­gen Strö­mun­gen jener Zeit, von denen Speng­lers Werk zehrte und die er selbst mit­prägte. Obschon Speng­ler darauf insis­tierte, in Zeit­räu­men von Jahr­hun­der­ten zu denken und seine Pro­phe­zei­un­gen der­ge­stalt zu begrün­den, zählen zum Kontext auch die mas­si­ven, teils dra­ma­ti­schen und gewalt­för­mi­gen Umbrü­che und gesell­schaft­li­chen Trans­for­ma­tio­nen eines durch Krieg, Natio­na­lis­mus, Preu­ßen­tum und schließ­lich Kriegs­nie­der­lage, Revo­lu­tion, prekäre Demo­kra­ti­sie­rung und Putsch­ver­su­che gezeich­ne­ten poli­tisch-kul­tu­rel­len Umfeldes.

2. Werk und Thesen

Meta­phy­sik, Schick­sal und Unter­gang von Kul­tu­ren bei Spengler

Das kultur- und geschichts­phi­lo­so­phi­sche Haupt­werk Speng­lers, und zugleich seine zen­trale geis­tes­ge­schicht­li­che Hin­ter­las­sen­schaft, ist zwei­fels­ohne sein zwei­bän­di­ges Opus „Der Unter­gang des Abend­lan­des“, dessen Titel rasch zum „poli­ti­schen Schlag­wort“ avan­cierte. (7) An diesem Werk arbei­tete Speng­ler über zehn Jahre – lange vor Beginn des Ersten Welt­kriegs bis zur Ver­öf­fent­li­chung des ersten Bandes zur Zeit der Zäsur, die das Ende des Welt­krie­ges und der deut­schen Mon­ar­chie mar­kierte (1918), und des zweiten Bandes in der Früh­phase der Wei­ma­rer Repu­blik (1922).

Speng­ler ent­wi­ckelt in beiden Bänden unter Ein­be­zie­hung einer Viel­zahl sehr hete­ro­ge­ner Quellen und Refe­ren­zen eine hoch­gra­dig spe­ku­la­tive und zykli­sche Geschichts­phi­lo­so­phie, welche die welt­ge­schicht­li­chen Ereig­nisse und Trans­for­ma­tio­nen seiner Zeit in einer kul­tur­his­to­ri­schen, lebens­phi­lo­so­phi­schen und ins­be­son­dere kul­tur­mor­pho­lo­gi­schen Lang­zeit­per­spek­tive – nament­lich der „For­men­welt“ von „Jahr­tau­sen­den“ – sowie pro­phe­tisch als „Phi­lo­so­phie der Zukunft“ zu deuten trach­tet. (8)

Speng­lers Mor­pho­lo­gie kos­mi­scher kul­tu­rel­ler See­len­tü­mer ver­ding­licht und hypo­st­asiert Kul­tu­ren als den Men­schen über­ge­ord­nete, über­in­di­vi­du­elle Sub­jekte der Mensch­heits­ge­schichte, auf welche Men­schen als Indi­vi­duen kaum Ein­fluss nehmen können. 

Speng­lers Kul­tur­mor­pho­lo­gie homo­ge­ni­siert, ent­plu­ra­li­siert und ent­in­di­vi­dua­li­siert Kultur indes nicht nur. Die Ent­wick­lung von Kultur wird zudem kon­stru­iert in Ana­lo­gie zur indi­vi­du­el­len mensch­li­chen Ent­wick­lung, wobei eine Kultur in ihrem Alter quasi unver­meid­lich ihrer Sinn­ent­lee­rung und ihrem Nie­der­gang ent­ge­gen gehe. Jeder Kultur wird in etwa eine Lebens­dauer von tausend Jahren zuge­dich­tet. Dabei durch­laufe jede Kultur „die Alters­stu­fen des ein­zel­nen Men­schen.“ (9)

In dieser mor­pho­lo­gi­schen Sicht, die das quasi-orga­ni­sche Leben und Abster­ben von Kul­tu­ren zu indi­vi­du­el­len Lebens­pro­zes­sen ana­lo­gi­siert, kon­stru­iert Speng­ler acht von­ein­an­der her­me­tisch abge­trennte, essen­tia­lis­tisch dif­fe­rente und sich fremde Kul­tu­ren und Kul­tur­see­len. Sie erschei­nen als über­in­di­vi­du­elle Sub­jekte geschicht­li­cher Ent­wick­lun­gen, wie Lebe­we­sen mit ihnen eigent­li­chen Beson­der­hei­ten und cha­rak­te­ris­ti­schen Merk­ma­len, welche die bestimm­ten Kul­tu­ren zuge­hö­ri­gen Men­schen gemein­schaft­lich prägen. In Speng­lers bio­lo­gis­ti­scher Kul­tur­my­tho­lo­gie erschei­nen Kul­tu­ren so als Orga­nis­men. Er bedient sich dabei ins­be­son­dere einer so genann­ten „Phy­sio­gno­mik“, die vom Äußeren auf die Eigen­schaf­ten einer Kultur und ihres See­len­le­bens zielt. (10)

Kul­tu­ren werden in Speng­lers Geschichts­schau als „Mor­pho­lo­gie“ der Geschichte gera­dezu „real-natu­ra­lis­tisch“ ver­stan­den, d. h. als quasi-bio­lo­gi­sche Orga­ni­sa­tio­nen begrif­fen, die über lange his­to­ri­sche Zeit­räume natür­li­chen „Wesens­ge­set­zen von Wachs­tum, Auf­stieg, Abstieg, Ver­wel­kung, Erstar­ren und Unter­gang“ unter­lä­gen. (11) Das dabei bemühte Geschichts­bild wendet sich als zykli­sches, dem­zu­folge immer wieder Kul­tu­ren ent­ste­hen und ver­ge­hen, ant­ago­nis­tisch gegen eine lineare Auf­fas­sung von Mensch­heits­ge­schichte, ins­be­son­dere als Fort­schritts­ge­schichte. Die dabei von Speng­ler beschrie­be­nen respek­tive kon­stru­ier­ten Hoch­kul­tu­ren seien zwar gleich­wer­tig, aber nicht mit­ein­an­der ver­bun­den, weshalb in Speng­lers kul­tur­re­la­ti­vis­ti­schen Geschichts­spe­ku­la­tio­nen auch ins­ge­samt epis­te­mo­lo­gisch eine Ableh­nung der Idee einer Mensch­heits­ge­schichte ent­hal­ten ist.

Die kul­tu­rel­len Gegen­satz- und Fremd­heits­be­stim­mun­gen Speng­lers schlie­ßen, wie indi­ziert, Aus­tausch, Dif­fu­sion und Befruch­tung von Kul­tu­ren kate­go­risch aus.

Auf der Grund­lage solcher Art essen­tia­lis­tisch kon­stru­ier­ter und objek­ti­fi­zier­ter Kul­tur­to­poi (bezie­hungs­weise Kli­schees über Kul­tur­räume, die gän­gi­gen kul­tu­rel­len oder natio­na­len Kli­schees und den teils abstru­sen Thesen von ‚Völ­ker­kund­lern’ seiner Zeit ent­lehnt sind) möchte Speng­ler mit seinem Werk nicht weniger als eine meta­phy­si­sche, glo­bal­ge­schicht­li­che Pro­phe­zei­ung ent­wi­ckeln, welche die Geschichte der Kultur(en) „phy­sio­gno­misch“ erfasst und ihre weitere Ent­wick­lung pro­phe­tisch vor­aus­zu­se­hen in der Lage ist:

Die sys­te­ma­ti­sche Art der Welt­be­trach­tung hat im Abend­lande während des vorigen Jahr­hun­derts ihren Gipfel erreicht und über­schrit­ten. Die phy­sio­gno­mi­sche hat ihre große Zeit noch vor sich.“ (12)

Der Ein­fluss und die Bewun­de­rung Hegels und der Versuch, Hegel nach­zu­ei­fern, sind dabei kaum zu über­se­hen, gleich­zei­tig wird aber eine impli­zit scharfe Abgren­zung gegen­über dessen welt­ge­schicht­li­chem Ver­nunfts­idea­lis­mus deut­lich. Denn Speng­lers Lebens­phi­lo­so­phie sieht nicht die Ver­nunft als wal­tende Kraft in der Geschichte, sondern „kos­mi­sche Flu­tun­gen“ des Daseins, cha­rak­te­ri­siert von stän­di­gem Werden und Ver­ge­hen und beflü­gelt vom Lebens­wil­len nach Dasein und Herrschaft:

der blinde, kos­mi­sche, sehn­süch­tige Drang nach Geltung und Macht.“ (13)

Für Speng­ler gilt Geschichte ins­be­son­dere als „Schick­sal von Daseins­strö­men in Gestalt von Mann und Weib, Geschlecht, Volk, Stand, Staat, die sich im Wel­len­schlag der großen Tat­sa­chen ver­tei­di­gen und gegen­sei­tig über­wäl­ti­gen wollen.“ (14) Darin fließen in erheb­li­chem Maße sozi­al­dar­wi­nis­ti­sche Ideen ein, wie etwa vom Krieg als „Urpo­li­tik alles Leben­di­gen“. (15) In Speng­lers über­in­di­vi­du­el­ler, unaus­weich­li­cher Über­wäl­ti­gungs­prosa wird der­ge­stalt eine spe­zi­fi­sche, für seine Zeit nicht unty­pi­sche Seman­tik schick­sal­haf­ter, meta­phy­si­scher Exis­tenz­kämpfe von Völkern bedient, die in eine umfas­sende Geschichts­phi­lo­so­phie über­führt wird.

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Der Unter­gang des Abendlandes

Den „Unter­gang des Abend­lan­des“ sieht Speng­ler hierbei als schlei­chen­den „natür­li­chen“ Prozess, der sich wie schon beim Unter­gang des römi­schen Reiches über Jahr­hun­derte erstreckt und nicht als ein­zel­nes his­to­ri­sches Ereig­nis zu ver­ste­hen sei. Auf das so genannte Zeit­al­ter der kämp­fen­den Staaten folgt Speng­lers Kon­struk­tion zufolge „eine im dämo­ni­schen Sinn geschichts­lose Zeit“ einer sta­ti­schen, ver­fal­le­nen Kultur.

Speng­ler kon­stru­iert und repro­du­ziert hierbei einen ein­fluss­rei­chen Gegen­satz von Kultur und Zivi­li­sa­tion. Die „Zivi­li­sa­tion“ kon­sti­tu­iert für Speng­ler die letzte Phase einer Kultur, in der sie erstarrt und schließ­lich abstirbt:

Ist das Ziel erreicht und die Idee, die ganze Fülle innerer Mög­lich­kei­ten voll­endet und nach außen hin ver­wirk­licht, so erstarrt die Kultur plötz­lich, sie stirbt ab, ihr Blut gerinnt, ihre Kräfte brechen – sie wird zur Zivi­li­sa­tion. Das ist es, was wir bei den Worten Ägyp­ti­zis­mus, Byzan­ti­nis­mus, Man­da­ri­nen­tum fühlen und ver­ste­hen.“ (16)

Während eine Kultur am Beginn ihres Ent­ste­hens „aus dem ursee­len­haf­ten Zustande ewig-kind­li­chen Men­schen­tums erwacht“ und „erblüht“ (17), erscheint dagegen die Zivi­li­sa­tion bei Speng­ler „müde, ver­dros­sen und kalt“. (18) Sie sei geprägt vom Ende von Moral und Kunst, dem Verlust von Reli­gion und einem gras­sie­ren­den mecha­ni­schen „Mate­ria­lis­mus“, mitsamt des Tri­um­phes bewusst­lo­ser Unter­hal­tungs­in­dus­trien und des Sports über hoch­kul­tu­rel­les Geis­tes­le­ben. (19)

Ver­kör­pert werde die Zivi­li­sa­tion durch die Domi­nanz der anor­ga­ni­schen Groß- und Welt­stadt, gekenn­zeich­net durch „grau­en­vol­les Elend, eine Ver­wil­de­rung aller Lebens­ge­wohn­hei­ten“ (20), in der ato­mi­sierte Indi­vi­duen oder „Welt­stadt­men­schen“ gera­dezu blind vor sich hin­ve­ge­tie­ren. Cha­rak­te­ris­tisch sind zudem Zivi­li­sa­ti­ons­kriege und „Impe­ria­lis­mus“ als ein „not­wen­di­ges Ergeb­nis jeder Zivi­li­sa­tion“. (21) Am Ende kul­mi­niere auch der Prozess des Unter­gan­ges des Abend­lan­des der­ge­stalt in der Ent­ste­hung eines nicht mehr ent­wick­lungs­fä­hi­gen, grei­sen­haf­ten Mas­sen­ty­pus, dem „Typen des Fel­la­chen“ – das „pri­mi­tive Blut“ einer Bevöl­ke­rung, die ihres „kul­tur­fä­hi­gen Men­schen­tums“ und ihrer „starken und zukunft­rei­chen Ele­mente“ beraubt ist.“ (22)

Das Fel­la­chen­tum wird von Speng­ler näher bestimmt, so Theodor W. Adorno, als „Ent­eig­nung des Bewußt­seins“, nicht zuletzt durch die „zen­tra­li­sier­ten Mittel der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­tion“, die Speng­ler im „Zeichen der Geld­macht“ sieht, die am Ende auch absterbe. (23) Kom­ple­men­tär zu Speng­lers Ableh­nung der bür­ger­li­chen Revo­lu­tion und ihrer Ideale, die er als bloßes Ventil für die Herr­schaft des Geldes sieht, pro­kla­miert Speng­ler den not­wen­di­gen Über­gang zum dik­ta­to­ri­schen Cäsa­ris­mus in der Spät­phase der Zivi­li­sa­tion als unaus­weich­li­chen Prozess.

Obschon Speng­ler später rekla­mierte, er hätte im Titel eher von „Voll­endung“ als von „Unter­gang“ des Abend­lan­des mit seiner „Faus­ti­schen Seele“ spre­chen sollen, repro­du­ziert die Arbeit selbst ein apo­ka­lyp­ti­sches Bild einer Geschichte, die unaus­weich­lich ins Ver­häng­nis führt.

Die Apo­lo­gie eines not­wen­dig kom­men­den Cäsa­ris­mus in der Spät­phase der Zivi­li­sa­tion wird durch seine poli­ti­schen Schrif­ten bestärkt, in denen sich Speng­ler u. a. einen natio­na­lis­ti­schen Dik­ta­tor wie Mus­so­lini wünscht. 

Der Unter­gangs­den­ker und Kul­tur­pes­si­mist Speng­ler hatte dabei den Sieg im Ersten Welt­krieg erwar­tet, da das deut­sche Volk „das unver­brauch­teste der weißen Rasse“ sei. (24) In den expli­zit poli­ti­schen Schrif­ten, die vor dem Hin­ter­grund der großen Wir­kungs­mäch­tig­keit des „Unter­gangs“ beson­ders rele­vant wurden, pro­fi­lierte sich Speng­ler weiter natio­na­lis­tisch gegen den repu­bli­ka­ni­schen, plu­ra­lis­ti­schen, libe­ra­len und demo­kra­ti­schen Westen, der für Kon­ser­va­tive Revo­lu­tio­näre wie Speng­ler Sinn­bild war für Kriegs­nie­der­lage und deut­sche ‚Unter­jo­chung’ (während der kul­tu­rel­len Attrak­ti­vi­tät des Ostens die bol­sche­wis­ti­sche Macht­über­nahme ent­ge­gen­stand). (25)

So wie er die Wei­ma­rer Repu­blik ver­ach­tete, so ver­ach­tete er auch die Idee eines demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­staa­tes und plu­ra­lis­ti­scher, libe­ra­ler Demo­kra­tie ins­ge­samt. Dagegen pro­kla­mierte Speng­ler die Not­wen­dig­keit von Auto­ri­ta­ris­mus und eines anti-mar­xis­ti­schen „natio­na­len Sozia­lis­mus“. Volker Weiß sieht Speng­ler auch deshalb als rele­van­ten „Theo­re­ti­ker des deut­schen Natio­na­lis­mus“. (26) In Speng­lers Schrift „Preu­ßen­tum und Sozia­lis­mus“ plä­dierte er „für einen auf preu­ßi­schen Tra­di­tio­nen auf­ge­bau­ten auto­ri­tä­ren Staat mit cäsa­ris­ti­scher Herr­schaft“. (27)

3. Speng­ler als auto­ri­tä­rer Anti-Aufklärer

Defai­tist gegen die Humanität

Seinem Werk sprach Speng­ler selbst unab­ding­bar pro­phe­ti­sche Kraft zu. Sowohl die fata­lis­tisch-apo­ka­lyp­ti­sche Grun­die­rung der These vom Unter­gang des Abend­lan­des, vor allem aber die mythi­sche Ver­göt­zung einer schick­sal­haf­ten Ent­wick­lung her­me­tisch abge­schie­de­ner Kul­tu­ren, die sich abgrund­tief fremd seien und auf welche die Men­schen als bloße Objekte kaum Ein­fluss nehmen können – diese Grund­ele­mente des Speng­ler­schen geschichts­phi­lo­so­phi­schen Ent­wurfs stechen hervor.

Dabei feti­schi­siert Speng­ler ein Kultur- und Volks­sub­jekt als kol­lek­ti­vierte, geschlos­sene Einheit mit einer „Seele“ und repro­du­ziert dabei Schick­sals­my­then und die Idee von einer „Schick­sals­ge­mein­schaft“, die dem Natio­nal­so­zia­lis­mus vor­an­ging und ihn über­lebte. Auch sie steht im Zentrum der Speng­ler­schen Geschichts­my­tho­lo­gie. Ins­ge­samt ist Speng­lers Werk durch­drun­gen und über­wölbt von einer kli­schee­haf­ten Sprache und dem Pathos einer sich ans blinde „Geheim­nis“ ver­lie­ren­den „Meta­phy­sik“.

Das Erschei­nen des „Unter­gangs“ traf auf das epo­chale Ende eines Fort­schritts­op­ti­mis­mus, welcher die Periode der Indus­tria­li­sie­rung der moder­nen Gesell­schaf­ten auch in Deutsch­land trotz vor­an­ge­gan­ge­ner kul­tur­pes­si­mis­ti­scher und zivi­li­sa­ti­ons­kri­ti­scher Ten­den­zen bis zum Beginn des Ersten Welt­krie­ges domi­niert hatte.

Speng­lers Werk errang auch deshalb bahn­bre­chende Popu­la­ri­tät: es erschien zu einem Zeit­punkt einer kri­sen­ge­schüt­tel­ten moder­nen Ent­wick­lung, die im Zeit­geist nach der Kriegs­nie­der­lage und Gewalt des Ersten Welt­krie­ges, ins­be­son­dere aber kei­nes­wegs aus­schließ­lich in kon­ser­va­ti­ven und deutsch­na­tio­na­len Kreisen auf einen weit­ver­brei­te­ten Kul­tur­pes­si­mis­mus stieß.

Speng­ler brachte mit seinem Begriff vom Unter­gang des Abend­lan­des, so Volker Weiß, „die kri­sen­hafte bür­ger­li­che Iden­ti­tät auf eine grif­fige Formel“ (28) – dies zumal im deut­schen Kontext, in dem das Bür­ger­tum noch über weite Stre­cken des 20. Jahr­hun­derts poli­tisch prekär geblie­ben war. Das Ende der Mon­ar­chie erneu­erte für viele die Drohung respek­tive „natio­nale Schre­ckens­vi­sion“ vom Zusam­men­bruch von deut­scher Staat­lich­keit und Auto­ri­tät, die Angst vor der Zer­stö­rung des „Reiches“ gerade bei den­je­ni­gen, die in der Schwä­che von Libe­ra­lis­mus und Demo­kra­tie eine Exis­tenz­ge­fähr­dung für Volk und Nation wit­ter­ten. (29)

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Adornos Kritik

Der wohl prä­gnan­teste und genau­este Kri­ti­ker der Speng­ler­schen Geschichts­phi­lo­so­phie und der magi­schen Mytho­lo­gie seines „Unter­gangs“ war Theodor W. Adorno. Adorno for­mu­lierte in zwei Schrif­ten eine scharfe Kritik an Speng­lers Werk, des Ele­men­tes der „Bru­ta­li­tät in Speng­lers Denken“ (30) genauso wie an dessen anti-auf­klä­re­ri­scher zur „See­len­my­tho­lo­gie und zum Natu­ra­lis­mus ten­die­ren­den Denkart.“ (31) Zugleich kri­ti­siert Adorno die­je­ni­gen, die Speng­ler ledig­lich wahl­weise „pedan­ti­sche Klein­lich­keit“ oder „phra­sen­haft konformistische[n] Opti­mis­mus“ ent­ge­gen­brach­ten und behaup­tet, Speng­ler habe trotz aller „offi­zi­el­len Phi­lo­so­phen“, die dem „Out­si­der“ Flach­heit vor­war­fen, und der Ein­zel­wis­sen­schaft­ler, die seine „Inkom­pe­tenz und Schar­la­ta­ne­rie“ (32) sich­te­ten, „kaum je einen eben­bür­ti­gen Kri­ti­ker“ (33) gefunden.

Viel­mehr kann Adorno einigen von Speng­lers kon­kre­ten Vor­aus­sa­gen und Pro­phe­zei­un­gen ein Maß an Wahr­heit abge­win­nen – ins­be­son­dere den­je­ni­gen, die sich auf Ten­den­zen der Demo­kra­tie bezie­hen, aus sich heraus in Dik­ta­tur umzu­schla­gen. (34)

Speng­ler, so Adorno, erkenne scharf­sich­tig die „kul­tu­rel­len Kon­se­quen­zen der zuneh­men­den Zen­tra­li­sie­rung der Macht“ sowie die bevor­ste­hende auto­ri­täre „Phase, die er nach Ana­lo­gie mit der Römi­schen Kai­ser­zeit ‚Cäsa­ris­mus‘ nennt,“ (35) ja Speng­ler habe „Goe­b­bels pro­phe­zeit“. (36)

Speng­lers Pro­gnose, wenn auch ent­lie­hen von Robert Michels, der „Wesens­ver­än­de­rung der Partei“, durch die Par­teien zu „Gefolg­schaf­ten“ würden und die das Par­tei­en­we­sen in Dik­ta­tur umschla­gen lasse, sei „im Natio­nal­so­zia­lis­mus radikal bestä­tigt worden.“ (37) Speng­ler sehe zudem „den Zusam­men­hang von Ato­mi­sie­rung und regres­si­vem Men­schen­ty­pus, wie er im Zeichen der tota­li­tä­ren Aus­brü­che erst ganz sich ent­hüllt hat.“ (38) Auch darin habe Speng­ler schließ­lich unfrei­wil­lig ein Stück weit recht­ge­habt, dass er durch seine gedank­li­che Kon­struk­tion die Mög­lich­keit abschnitt, die his­to­ri­sche Kata­stro­phe der Ver­nich­tung „als geschicht­li­ches Inter­mezzo zu ver­harm­lo­sen.“ (39)

Doch noch da, wo seine Beschrei­bun­gen und Pro­phe­zei­un­gen, so „rea­lis­tisch sie auch vor­ge­tra­gen sein mögen“ und zumin­dest ober­fläch­lich zuzu­tref­fen schei­nen, sehe laut Adorno Speng­ler, der mit dem Geiste Nietz­sches eine Mas­sen­ver­ach­tung zur Schau stelle, von den Bedin­gun­gen ab, „unter denen die Rück­bil­dun­gen der moder­nen Massen einzig zustan­de­kom­men, und ope­riert mit Schlag­wor­ten wie Wur­zel­lo­sig­keit, chao­tisch-welt­städ­ti­schem Wesen, Cäsa­ris­mus, neuer Bar­ba­rei und ‚zweiter Reli­gio­si­tät’ – einem Deck­bild auto­ri­tä­ren Unwe­sens.“ (40) Speng­ler degra­diere die Massen im von Thomas Mann obser­vier­ten „Defai­tis­mus gegen die Huma­ni­tät“ zu einem „unab­än­der­lich vom Rhyth­mus der Kul­tur­seele stets wieder gezeig­ten Abfall­pro­dukt, um ihre Beherr­schung umso besser recht­fer­ti­gen zu können.“ (41) Statt einer Kritik des Bestehen­den ver­stärke „Speng­lers Pes­si­mis­mus dessen Ver­göt­zung“ (42), beför­dere Speng­ler das Dunkle, das er an die Wand malt (43), erschei­nen die Male der Ohn­macht bei Speng­ler als Sinn­bil­der des Schick­sals. (44)

Schließ­lich ist es die radi­kale Unwahr­heit Speng­lers, resü­miert Adorno, dass er die „Natur­wüch­sig­keit der Geschichte [...] mit der Natur selbst ver­wech­selt, dass er sie zum Abso­lu­ten macht, dass er [...] mit ein­stimmt in die Ver­leum­dung der Auf­klä­rung.“ Und weiter:

Ob die Mensch­heit unter­geht, wird nicht von kos­mi­schen See­len­tü­mern ent­schie­den. [...] Nicht umsonst sym­pa­thi­siert er trüb mit den angeb­lich kos­mi­schen Geset­zen, denen das Leben der Men­schen gehor­che. Er hat die Phi­lo­so­phie zur Astro­lo­gie ernied­rigt und auf das Grauen, von dem er groß­ar­tig zeugt, reagiert mit dem Aber­glau­ben, der das Grauen ver­klärt und ver­dop­pelt.“ (45)

So triftig einige Dia­gno­sen und Pro­phe­zei­un­gen, etwa in Bezug auf die Trans­for­ma­tion der Par­teien zu auto­ri­tä­ren Mas­sen­par­teien, zum pro­gnos­ti­zier­ten Auf­stieg eines neuen Cäsa­ris­mus oder zum Wandel der Popu­lär­kul­tur also im geschicht­li­chen Moment erschie­nen mögen, so offe­riert Speng­ler im „Unter­gang des Abend­lan­des“ unzwei­deu­tig einen anti-auf­klä­re­ri­schen und anti-demo­kra­ti­schen Recht­fer­ti­gungs­dis­kurs für eben jenen Unter­gang mensch­li­cher Gesell­schaft und Kul­tu­ren, den er prophezeit.

In seiner völ­li­gen Absage an Auf­klä­rung, Wahr­heit und Ver­nunft zeigt sich indes nicht nur die rechts-anti­li­be­rale, sondern auch die post­mo­derne Anschluss­fä­hig­keit der Speng­ler­schen Ver­nunfts­kri­tik: Auf­klä­rung und Ver­nunft werden bei Speng­ler nicht in kri­ti­scher Selbst­re­fle­xion gegen deren Ver­kür­zung und „Unter­gang“ geret­tet und erneu­ert, sondern selbst mytho­lo­gisch zer­trüm­mert und in blinden kos­mi­schen, kul­tur­re­la­ti­vis­ti­schen Aber­glau­ben über­führt. Speng­lers Werk ist so Teil einer „moderne[n] Rebel­lion gegen die Moderne“. (46)

4. Speng­lers Antisemitismus

Geist, Börse, Fremdheit

Wie bei anderen anti-moder­nen, natio­na­lis­ti­schen und anti-demo­kra­ti­schen Denkern seiner Zeit ist Speng­lers Ver­ach­tung für Ver­nunft, Fort­schritt, Moderne und welt­städ­ti­sches Leben von Anti­se­mi­tis­mus durch­zo­gen, und dies trotz der Ableh­nung einer vul­gä­ren anti­se­mi­ti­schen Ras­se­po­li­tik – ein Umstand, den Anhän­ger seiner Ideen und ver­meint­li­chen Dia­gnose- und Pro­gno­se­qua­li­tä­ten zumeist ignorieren.

Alex­an­der Bein betonte schon 1965 kri­tisch, dass Speng­lers Buch „sicher­lich nicht unwe­sent­lich“ zur „Popu­la­ri­sie­rung und zur Mythi­sie­rung des Juden­bil­des seiner Zeit“ bei­getra­gen habe, und in dieser Hin­sicht in Grad und Ausmaß gar ver­gleich­bar sei mit Hein­rich von Treit­sch­kes „Deut­scher Geschichte“ vierzig Jahre zuvor. (47)

Durch Speng­lers Werk, so Bein, „drangen die zeit­ge­nös­si­schen Ste­reo­ty­pen vom Juden als ‚aner­kannte wis­sen­schaft­li­che Wahr­hei­ten’ in mor­pho­lo­gisch-mythi­scher Über­hö­hung in Kreise ein, die sich von dem Einfluß der grö­be­ren, pro­pa­gan­dis­ti­schen Geschichts­klit­te­run­gen radi­ka­ler Anti­se­mi­ten fern­hiel­ten.“ (48)

In anderen Worten: Speng­ler half im Kontext der Umbruchs­zeit nach dem Ersten Welt­krieg und danach, anti­se­mi­ti­sche Vor­stel­lun­gen noch weiter intel­lek­tu­ell zu legi­ti­mie­ren, zu ver­fes­ti­gen und hof­fä­hi­ger zu machen, als sie ohnehin schon gesell­schaft­lich waren – auch und gerade in den „höheren Kreisen“ und Bildungseliten.

Juden erschei­nen bei Speng­ler in den typi­schen Kon­struk­tio­nen eines moder­nen anti­se­mi­ti­schen Welt­bil­des. Angeb­lich geschla­gen mit einer „Fremd­heit“, mit der sie immer dem Leben des „Wirts­vol­kes“ (49) gegen­über­stün­den, trügen Juden ein „zer­set­zen­des Element“. (50) Sie ver­kör­per­ten einen „ver­gif­ten­den Zynis­mus“ und eine „zyni­sche Intel­li­genz“ (51), wobei das Juden­tum auch ver­nich­tend wirke:

Was die abend­län­di­sche Kultur in ihren Kolo­ni­al­ge­bie­ten durch Refor­men eigenen Stils ver­nich­tet hat, ist nicht aus­zu­den­ken, und ebenso ver­nich­tend wirkt das Juden­tum, wo es auch ein­greift.“ (52)

Das Juden­tum stellte nach Speng­ler, so Ulrich Wyrwa, „im Abend­land einen Fremd­kör­per dar, der sich nicht anpas­sen könne.“ (53) Gerade in seinen per­so­ni­fi­ziert ver­ding­lich­ten Angrif­fen auf jüdi­sches „Geld­den­ken“, das auch im „Unter­gang“ zu finden ist, ver­dich­tet sich Speng­lers Anti­se­mi­tis­mus. Er ist bei Speng­ler ein­ge­bet­tet in ein auto­ri­tä­res, anti-moder­nes und anti-demo­kra­ti­sches Welt­bild und zugleich dessen Bestandteil.

Nicht zufäl­lig sah Speng­ler „die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie als Plu­to­kra­tie, als poli­ti­sche Herr­schaft des Geldes, und pole­mi­sierte gegen den ‚Bör­sen­li­be­ra­lis­mus‘.“ (54)

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Distanz zum Nationalsozialismus

Aller­dings lehnte Speng­ler Wyrwa zufolge den „ras­se­bio­lo­gi­schen Anti­se­mi­tis­mus“ der völ­ki­schen Bewe­gung ebenso ab wie eine auf Anti­se­mi­tis­mus fußende Politik der Ver­fol­gung und Ver­nich­tung. (55) Im „Unter­gang“ macht sich Speng­ler über die Idee „ras­sen­kund­li­cher“ Schä­del­ver­mes­sun­gen lustig, denn „der Kno­chen­bau ist in der mensch­li­chen Gesell­schaft überall und immer wieder der­selbe gewor­den“ (56) und es ver­trage sich „der Ras­se­aus­druck eines Men­schen­kop­fes mit jeder über­haupt denk­ba­ren Schä­del­form.“ (57) Die Unter­schei­dung zwi­schen „Arier- und Semitenschädel“ findet Speng­ler absurd.

Auch erscheint bei Speng­ler das Juden­tum nicht wie in der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie als „Gegen­rasse“, sondern als eine „fremde Reli­gion“ im Kontext der ara­bi­schen Kultur. (58) An der Exis­tenz eines kos­mi­schen, nicht-bio­lo­gi­schen „rassehafte[n] Leben[s]“ (59), die sich mit „anderen Mitteln“ fest­stel­len ließe und auf die „geheim­nis­volle Kraft des Bodens“ sowie die „nicht meß­ba­ren und deshalb um so bedeu­tungs­vol­le­ren Merk­ma­len echter Rasse“ (60) ver­weise – „[e]dle Men­schen­ras­sen unter­schei­den sich [...] in ganz der­sel­ben geis­ti­gen Weise wie edle Weine“ -, hat Speng­ler indes kei­ner­lei Zweifel.

In der Schrift „Jahre der Ent­schei­dung“ vom Sommer 1933 bot Speng­ler eine begeis­terte Lob­hu­de­lei auf den ita­lie­ni­schen Faschis­mus und auf Mus­so­lini. (61) Doch während der preu­ßisch-natio­na­lis­ti­sche Sozia­list Speng­ler Mus­so­lini als Ver­kör­pe­rung und Führer eines neuen Cäsa­ris­mus sah, das seinem anti-demo­kra­ti­schen, anti-libe­ra­len Denken und Gesell­schafts­mo­dell ent­sprach, ent­hielt das Buch Kritik am Natio­nal­so­zia­lis­mus. Goe­b­bels’ Ver­su­che, Speng­ler zu einer Mit­ar­beit zu bewegen, endeten am Jah­res­ende 1933 – nachdem Speng­ler zuvor einen Ruf an die Uni­ver­si­tät Leipzig aus­ge­schla­gen hatte und ein Treffen mit Hitler in Bay­reuth zu keiner Zusam­men­ar­beit führte, sondern angeb­lich eine schein­bar auch auf per­sön­li­cher Abnei­gung grün­dende Distanz ver­fes­tigte. (62) Der Ein­fluss Speng­lers auf Ideen der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Bewe­gung und sein poli­tisch-ideo­lo­gi­scher Beitrag – als viel beach­te­ter, strikt demo­kra­tie- und juden­feind­li­cher intel­lek­tu­el­ler Vor­rei­ter der „Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tion“ – zur Erosion der Wei­ma­rer Repu­blik sind dennoch nicht zu unterschätzen.

Die am Ende prak­ti­sche Distanz zum NS-Régime macht Speng­ler als nicht-natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Vor­den­ker eines auto­ri­tä­ren Natio­na­lis­mus und Faschis­mus für die „Neue Rechte“ und andere Demo­kra­tie­feinde viel­leicht beson­ders inter­es­sant. Der Bruch mit den Natio­nal­so­zia­lis­ten nimmt indes nichts von der Tat­sa­che, dass das Speng­ler­sche Denken von einem tiefen, eso­te­risch-natio­na­lis­ti­schen Hass auf die Ver­nunft gespeist wird, der sich an zer­stö­re­ri­schen Unter­gangs­phan­ta­sien labt und mit einer anti­se­mi­ti­schen Ranküne gegen Geld, Geist und kon­stru­ierte kul­tu­relle Fremd­heit ver­wandt ist.

5. Rezep­tion und
poli­tisch-intel­lek­tu­elle Erbschaft 

Pro­phe­tie des Unter­gangs, Apo­lo­gie der Unvernunft

Speng­lers unmit­tel­ba­rer poli­tisch-kul­tu­rel­ler Ein­fluss war beträcht­lich. Die Rezep­tion des ersten Bandes des „Unter­gan­ges“, der seinen Ruhm begrün­dete, war viel­fäl­tig. Sie sprießte in den Uni­ver­si­tä­ten wie in der poli­ti­schen Öffent­lich­keit von deutsch­na­tio­na­len bis hinein in links­li­be­rale und mar­xis­ti­sche Kreise, und sie oszil­lierte zwi­schen großer Bewun­de­rung und klein­tei­li­ger oder har­scher Fachkritik.

Exem­pla­risch für solche Ambi­va­len­zen war Thomas Mann, der in den „Betrach­tun­gen eines Unpo­li­ti­schen“ zunächst von Speng­lers Werk begeis­tert war, ihn später aber „Defä­tist der Huma­ni­tät“ taufte und sich in seinem Essay „Über die Lehre Speng­lers“ von Speng­lers Vor­stel­lung von Kul­tu­ren als her­me­tisch geschlos­se­nen Lebe­we­sen scharf abgrenzte. (63) Obwohl, wie Adorno in seinem ersten Essay zu Speng­ler 1950 in Erin­ne­rung ruft, nach der enormen, breiten Popu­la­ri­tät des ersten Bandes des „Unter­gan­ges“ schon bei der Ver­öf­fent­li­chung des zweiten Bandes 1922 eine gerin­gere Beach­tung zu kon­sta­tie­ren war, (64) blieb Speng­lers Wir­kungs­ra­dius und Nach­hall in kon­ser­va­tive, kul­tur­pes­si­mis­ti­sche Kreise groß. Speng­ler blieb einer der ein­fluss­reichs­ten Denker der Wei­ma­rer Repu­blik, welche er radikal ablehnte, und im Beson­de­ren einer der maß­geb­li­chen Vor­den­ker der „Kon­ser­va­ti­ven Revolution“.

Das Inter­esse der Natio­nal­so­zia­lis­ten, Speng­ler vor und nach 1933 für ihre Sache zu gewin­nen, künden vom Gewicht Speng­lers, der an der Zer­stö­rung der ersten Demo­kra­tie in Deutsch­land seinen intel­lek­tu­el­len Anteil hatte. Gerade mit seinem Kul­tur­pes­si­mis­mus, der sich seit der Jahr­hun­dert­wende bis zum Welt­krieg kom­ple­men­tär zum Fort­schritts­op­ti­mis­mus aus­brei­tete, traf Speng­ler einen gesell­schaft­li­chen Nerv, zumal nach der Zäsur des ver­lo­re­nen Weltkrieges.

Speng­lers pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Geschichts­phi­lo­so­phie wirkte quasi als Fun­die­rung und Arti­ku­la­tion einer weit ver­brei­te­ten fort­schritts­feind­li­chen und resi­gna­tiv-defai­tis­ti­schen bis apo­ka­lyp­ti­schen Grund­stim­mung – auch bei den­je­ni­gen, die sich nur an seinem Titel und seinen groben Thesen orientierten. 

Speng­lers Haupt­werk sowie seine poli­ti­schen Schrif­ten gehör­ten zur intel­lek­tu­ell-kul­tu­rel­len Kla­vier­mu­sik der Feinde der Wei­ma­rer Repu­blik. Sie dif­fun­dier­ten auch jen­seits der tat­säch­li­chen Lektüre seiner teils ein­gän­gi­gen, teils ver­quas­ten Groß­schrift in das Arsenal domi­nan­ter ideo­lo­gi­scher Topoi des zeit­ge­nös­si­schen deut­schen Natio­na­lis­mus und seiner Mythen. Dar­un­ter sind die stets mobi­li­sierte Angst vom voll­stän­di­gen Verlust der Macht und Auto­ri­tät von Staat, Volk und Nation sowie die Bedro­hung des Unter­gang des „Reiches“ und seiner Erset­zung durch die ver­hasste Demo­kra­tie und kul­tu­relle Dif­fu­sion (65) – Thesen, die heute an die ethno-natio­na­lis­ti­sche, iden­ti­täre Ideo­lo­gie vom „großen Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ erinnern.

Ent­ge­gen Adornos These, dass Speng­lers Werk in der „offi­zi­el­len Phi­lo­so­phie“ in Deutsch­land abge­lehnt wurde und die „zünf­ti­gen Phi­lo­so­phen“ sich schlicht bald an Hei­deg­ger hielten (66), war zumin­dest Speng­lers indi­rek­ter Ein­fluss auf maß­geb­li­che zeit­ge­nös­si­sche Phi­lo­so­phie beträcht­lich. Richard Wolin argu­men­tiert, dass sogar Hei­deg­gers Begriff der „Seins­ver­las­sen­heit“ im Kern eine Neu­for­mu­lie­rung von Speng­lers Begriff des „Unter­gangs“ sei. (67) Neben der Ven­ti­lie­rung auto­ri­tä­ren preu­ßi­schen Denkens, einer in der Wei­ma­rer Repu­blik popu­lä­ren Ver­schrän­kung von Kul­tur­pes­si­mis­mus, Kul­tur­re­la­ti­vis­mus und Kul­ture­li­tis­mus sowie der Mobi­li­sie­rung dro­hen­der apo­ka­lyp­ti­scher Unter­gangs­sze­na­rien und ‑ängste, die wie skiz­ziert in Deutsch­land nach dem Ersten Welt­krieg beson­ders weit ver­brei­tet waren, trug Speng­ler auch dazu bei, dem Begriff des „Abend­lan­des“ den Status eines „poli­ti­schen Kampf­be­griffs“ im Sinne Carl Schmitts zu ver­lei­hen. (68)

Speng­lers Ein­fluss blieb derweil nicht auf Deutsch­land beschränkt. Nicht nur bewun­derte Speng­ler Mus­so­lini. Der von Speng­ler zele­brierte faschis­ti­sche Dik­ta­tor Mus­so­lini war selbst Speng­ler-Anhän­ger und besprach sogar wür­di­gend Speng­lers „Jahre der Entscheidung“.

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Rezep­tion nach 1945

In den 1950ern trugen Autoren wie Armin Baltzer zum Fort­le­ben des Speng­ler-Kultes bei. Speng­lers meta­phy­sisch apo­stro­phierte und kul­tu­rell-exis­ten­zi­ell hypo­st­asierte Idee des „Unter­gangs“, den er frei­lich kul­tur­mor­pho­lo­gisch und fata­lis­tisch auch als „Voll­endung“ des Abend­lan­des ver­steht, und Speng­lers Werk ins­ge­samt stattet Baltzer mit „bleibende[r] Bedeu­tung für die Gegen­wart“ aus. (69) Die kri­ti­sche Rezep­tion Adornos, der einige der Pro­gno­sen Speng­lers eben­falls durch­aus positiv würdigt, blieb die Aus­nahme, sie wurde aber ver­stärkt durch Karl Popper, der sich in seiner Arbeit „Das Elend des His­to­ri­zis­mus“ von 1957 neben Marx Speng­ler vor­nimmt (und damit wie Adorno Speng­ler in den intel­lek­tu­el­len Status eines wür­di­gen Gegners ver­setzt), um seine Kritik an Vor­stel­lun­gen von unver­än­der­li­chen Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Geschichte zu entfalten.

Das von Adorno bereits 1950 ver­früht dia­gnos­ti­zierte Ver­ges­sen Speng­lers setzte dann mithin in den späten 1960er bis 1980er Jahren ein, in denen Speng­ler im öffent­li­chen Raum und in der Wis­sen­schaft kaum mehr eine Rolle spielte.

Der intel­lek­tu­elle Ein­fluss des Speng­ler­schen Denkens und Speng­ler­scher Motive, die, wie gezeigt, von zutiefst ver­an­ker­ten anti-moder­nen Reflex und anti-demo­kra­ti­schen sowie anti-libe­ra­len Res­sen­ti­ments geprägt sind, war somit in der Nach­kriegs­re­zep­tion erheb­li­chen Schwan­kun­gen aus­ge­setzt. Er scheint aber gerade in jün­ge­rer Zeit wieder an Fahrt auf­zu­neh­men. 100 Jahre nach dem Erschei­nen des ersten Bandes des „Unter­gangs“ erkennt Florian Gold­berg im „Deutsch­land­funk“, dass Speng­lers Motive etli­chen Thesen und Topoi sowohl der „Neuen Rechten“, als auch der aktu­el­len auto­ri­tär-natio­na­lis­ti­schen Popu­lis­ten entsprechen.

Speng­ler ließ keinen Zweifel daran, dass er sich einen auto­ri­tä­ren Obrig­keits­staat wünschte mit deut­scher Hege­mo­nie über den Kon­ti­nent, während er die demo­kra­ti­sche (Wei­ma­rer) Repu­blik als ille­gi­ti­men Staat erach­tete und, ähnlich dem Jargon der heu­ti­gen „Neuen Rechten“, zur bloßen „Firma“ degra­dierte. (70) Auch die Beto­nung kul­tu­rel­ler See­len­my­then und de facto homo­ge­ner ethno-kul­tu­rel­ler Iden­ti­tä­ten gegen­über auf­klä­re­ri­schem, ratio­na­lem Denken, das Speng­ler ebenso mit Ver­ach­tung strafte wie Ideen von Kom­pro­miss, Aus­gleich und Ver­stän­di­gung, sowie seine „hero­isch-fata­lis­ti­sche Pose“ (71) gegen die Pazi­fi­zie­rung der Welt bilden impli­zite und teils expli­zite Anknüp­fungs­punkte für heutige auto­ri­täre und neu-rechte Ideo­lo­gie. Speng­ler schreibt:

Ein Volk ist nur wirk­lich in Bezug auf andere Völker, und diese Wirk­lich­keit besteht in natür­li­chen und unauf­heb­ba­ren Gegen­sät­zen, in Angriff und Abwehr, Feind­schaft und Krieg.“ (72)

Volker Weiß hat auf das Nach­hal­len auch von Speng­ler­schen Motiven in iden­ti­tä­rem Denken und der ent­spre­chen­den Bewe­gung hin­ge­wie­sen, sowie darauf, dass Speng­ler nicht zufäl­lig Eingang gefun­den hat in den Kanon der „Neuen Rechten“. Der neu-rechte Redner Götz Kubit­schek schöpfte z. B. aus Speng­lers Fundus, inklu­sive seiner mythi­schen Geschichts­vor­stel­lung und Idee der kul­tu­rel­len Schick­sals­ge­mein­schaf­ten, als er im Januar 2015 in Leipzig vor 15.000 Teil­neh­mern bei einer „Legida“-Demonstration sprach. (73) Dabei berei­tete er die „uralten Motive des Natio­na­lis­mus auf, die Schick­sals­ge­mein­schaft der ‚Nation’ und das han­delnde Kol­lek­tiv­sub­jekt ‚Volk’“, sowie Speng­lers Auf­fas­sung vom „Schick­sal von Daseins­strö­men“. (74)

Die natio­nale und kul­tu­relle respek­tive kul­tu­ra­lis­ti­sche Mythen­welt Speng­lers dient kon­ser­va­ti­ven Unter­gangs­sze­na­rien mithin immer noch als Deu­tungs­fo­lie. Jene Mythen­welt und ihr eso­te­ri­sches Voka­bu­lar prä­sen­tiert eine teils kaum ver­nehm­bare, aber dennoch geis­tes­ge­schicht­lich prä­sente Hin­ter­grund­mu­sik – auch bei der heu­ti­gen Renais­sance eines ideo­lo­gi­schen „Abendland“-Diskurses, den Speng­ler im deutsch­spra­chi­gen Raum des 20. Jahr­hun­derts mit­ge­prägt hat. Die Gestalt der Rechten, so Weiß, mag sich heute wei­ter­hin im Wandel befin­den; in ihren ideo­lo­gi­schen Kern­ele­men­ten aber hält sie letzt­lich „unver­än­dert“ (75) dem alten Denken die Treue und ver­ge­wis­sert sich stets neu­er­lich ihrer kon­ser­va­tiv-revo­lu­tio­nä­ren Wurzeln. (76)

Speng­ler ist dabei eine Quelle unter anderen für gegen­wär­tige, auto­ri­tär-natio­na­lis­ti­sche und anti­eman­zi­pa­to­ri­sche Gegen­be­we­gun­gen gegen die Moderne, die Teil der poli­ti­schen Moderne selbst sind. (77) Dies gilt auch für AfD und „Pegida“ in Deutsch­land. (78) Die Renais­sance von Speng­ler als poli­tisch-ideo­lo­gi­sche Quelle erscheint sogar mas­si­ver bei einigen inter­na­tio­na­len Akteu­ren des neuen Rechts­po­pu­lis­mus. So ist Speng­ler z. B. heute ein ganz zen­tra­ler Bezugs­punkt für den sich intel­lek­tu­ell gerie­ren­den Rechts­po­pu­lis­ten Thierry Baudet und dessen „Forum voor Demo­cra­tie“ in den Niederlanden.

Doch reicht Speng­lers Wirkung bis heute zugleich auch über den Kontext eines Rechts­ra­di­ka­lis­mus, Rechts­kon­ser­va­tis­mus und eine die so genannte „Kon­ser­va­tive Revo­lu­tion“ hul­di­gende „Neue Rechte“ hinaus; ja Speng­lers ideo­lo­gi­sche Reich­weite bis in den eta­blier­ten Kon­ser­va­tis­mus sowie den respek­ta­blen intel­lek­tu­el­len Diskurs machen ihn als Res­source für gegen­wär­tige auto­ri­tär-natio­na­lis­ti­sche Pro­jekte wohl beson­ders wertvoll.

Die über­ra­schend nach­hal­tige intel­lek­tu­elle Wir­kungs­mäch­tig­keit dieses hoch ideo­lo­gi­sier­ten, im wahrs­ten Sinne des Wortes spe­ku­la­ti­ven Geschichts­phi­lo­so­phen, dessen ideen­ge­schicht­li­cher Beitrag sich wesent­lich in düs­te­ren, mehr oder minder inter­es­san­ten Pro­phe­zei­un­gen erschöpft, welche in einer ver­schwur­bel­ten See­len­my­tho­lo­gie und in anti-auf­klä­re­ri­schen Affek­ten fußen, zeigt sich nämlich bis heute auch in poli­tisch und intel­lek­tu­ell unver­däch­ti­gen Eliten von Kultur und Wis­sen­schaft (und dies kei­nes­wegs aus­schließ­lich in Deutsch­land). Kein Gerin­ge­rer als der ein­fluss­rei­che deut­sche Sozio­loge und Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Wolf Lepe­nies ver­fasste 2002 in der „Süd­deut­schen Zeitung“ eine Apo­lo­gie Speng­lers. Bezeich­nen­der­weise bringt Lepe­nies dabei den anti­de­mo­kra­ti­schen kon­ser­va­tiv-revo­lu­tio­nä­ren Dem­ago­gen Speng­ler aus­ge­rech­net gegen Adorno in Anschlag.

Speng­ler, welcher mit seinem Hass auf die Demo­kra­tie und seinem Ekel vor dem Abs­trak­ten wie der ‚All­macht des Geldes‘ laut Adorno bei aller bis­wei­len zur Schau gestell­ten sprach­li­chen Elo­quenz und par­ti­el­len Ver­quast­heit mithin im glei­chen offen bru­ta­len Tonfall spricht wie ein „Agi­ta­tor“, der „gegen die Welt­ver­schwö­rung der Börse los­zieht“ (80), wird von Lepe­nies in schlech­ter Tra­di­tion zum pro­phe­ti­schen Dia­gnos­ti­ker erhoben. Er schreibt:

Ange­sichts des Mene­te­kels aber, das heute Schrift­zei­chen wie Enron und World­com an die Wand malen, klingt Speng­lers Satz pro­phe­tisch, dass die Demo­kra­tie sich durch das Geld selbst ver­nich­tet, nachdem das Geld den Geist ver­nich­tet hat.“ (81)

Selbst wenn man Speng­lers pro­gnos­ti­sche Qua­li­tä­ten aner­ken­nen will, wird dies frag­wür­dig, wenn nicht zugleich pro­ble­ma­ti­siert wird, dass der natio­na­lis­ti­sche „klein­bür­ger­li­che Wahr­sa­ger“ Speng­ler, der an die „Schwä­che des Ichs appel­liert“ (82), der „große Dilet­tant“ (Kurt Sont­hei­mer), selbst am tota­li­tä­ren Ver­häng­nis strickte, welches er als „Unter­gang des Abend­lan­des“ apo­ka­lyp­tisch beschwor. (83)

Der mitt­ler­weile eme­ri­tierte His­to­ri­ker Alex­an­der Demandt, Ehren­prä­si­dent der „Oswald Speng­ler Society for the Study of Huma­nity and World History“, wür­digte den Anti­de­mo­kra­ten schon vor 20 Jahren in der „Welt“ als „Meis­ter­den­ker der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­tion“ (84). Gerade in den letzten zehn Jahren erleben wir in Deutsch­land und Europa mithin eine Speng­ler-Renais­sance. Selbst in aktu­el­len For­schun­gen zu Speng­ler wird dieser mithin zum „Denker der Zei­ten­wende“ ver­klärt, dessen Denken „zum Nach­den­ken“ anrege. (85) Hermann Baer schrieb 2010 in der „Süd­deut­schen Zeitung“, Speng­lers vor nunmehr fast 100 Jahren erschie­ne­nes Haupt­werk habe die „Qua­li­tät eines Dau­er­bren­ners“. (86) Baer ver­harm­lost Speng­lers geschicht­li­che Pro­phe­zei­ung als kon­ser­va­tive „Absage an blinden Fort­schritts­glau­ben“ und „Klas­si­ker der moder­nen Kul­tur­kri­tik“ (87).

Sehr zum Gefal­len von Baer, der in kaum subtil affir­ma­ti­ver Wendung die Renais­sance Speng­lers beschreibt, betont auch der ita­lie­ni­sche Phi­lo­soph Stefano Zecchi seit Jahren die „Zeit­ak­tua­li­tät“ Speng­lers. Für Zecchi besteht diese vor allem in Speng­lers Warnung vor den ver­meint­li­chen Gefah­ren kul­tu­rel­ler Mischung als Vehikel für zivi­li­sa­to­ri­schen Unter­gang: „Der Mai­län­der Pro­fes­sor, ein schar­fer Beob­ach­ter, ist der Ansicht, man müsse sich auch einmal fragen, ob die heutige Tendenz zu einem Mit­ein­an­der unter­schied­li­cher Kul­tu­ren im selben Land nicht eine Selbst­täu­schung sei. Der Dialog zwi­schen den Kul­tu­ren leiste der Auf­lö­sung der Natio­nen in eine form­lose kos­mo­po­li­ti­sche Mas­sen­ge­sell­schaft Vor­schub. In der unauf­halt­sa­men Glo­ba­li­sie­rung sieht Zecchi den Nie­der­gang unserer Zivi­li­sa­tion. In Speng­lers Worten: ‚Der Weg senkt sich.’“ (88)

Die kul­tu­relle Mytho­lo­gie und das pro­phe­ti­sche Raunen Speng­lers, dessen Popu­la­ri­tät in der Wei­ma­rer Repu­blik seinen unbe­strit­te­nen Höhe­punkt erfah­ren hatte und an deren Nie­der­gang er ideo­lo­gisch mit­wirkte, wird inso­fern vor­aus­sicht­lich bei den Gegnern einer freien, auf­ge­klär­ten und demo­kra­ti­schen Gesell­schaft auch künftig kaum an Attrak­ti­vi­tät und Aktua­li­tät ver­lie­ren. Dass Men­schen bei Speng­ler nur als unaus­weich­li­che Objekte eines zur Natur ver­klär­ten über­zeit­li­chen Geschichts­rhyth­mus im Über­gang zu einem Fel­la­chen­tum erschei­nen, aus dem allen­falls ein neuer Cäsar her­vor­sticht, passt ins gegen­wär­tige Bild auto­ri­tä­rer Bewe­gun­gen – ebenso wie Speng­lers innigste Feind­schaft gegen die libe­rale, plu­ra­lis­ti­sche Demo­kra­tie und das Modell der Ver­söh­nung von Ver­nunft, Demo­kra­tie und uni­ver­sa­lis­ti­schen Freiheitsrechten.

Die Apo­lo­gie des Irra­tio­na­lis­mus und der „Politik der Unver­nunft“ (89), die den Auto­ri­ta­ris­mus ver­götzt und in diesen führt, erlebt heute eine neue Blüte, in die Speng­lers Werk passt. Das Unver­stan­dene Speng­lers, der sich als großer Prophet wähnte, während er sich aus­ufernd in die Affir­ma­tion einer dumpfen See­len­my­then­lehre und magi­scher Vor­stel­lun­gen flüch­tete, west fort als Teil einer kon­ser­va­tiv-revo­lu­tio­nä­ren Geis­tes­tra­di­tion, welche die innige Nähe von anti-auf­klä­re­ri­schem, apo­ka­lyp­ti­schem, mythi­schem, natio­na­lis­ti­schem sowie kul­tur­re­la­ti­vis­ti­schem Denken stets aufs Neue bestätigt.

Über den Autor: Prof. Dr. Lars Rens­mann ist Pro­fes­sor für Euro­päi­sche Politik und Gesell­schaft, Direk­tor des Centre for the Study of Demo­cra­tic Cul­tures and Poli­tics und Geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des Fach­be­reichs Euro­päi­sche Spra­chen und Kul­tu­ren an der Rijks­uni­ver­sit­eit Gro­nin­gen (Nie­der­lande). Bis 2015 leitete er den Fach­be­reich Poli­tik­wis­sen­schaft und Inter­na­tio­nale Bezie­hun­gen an der John Cabot Uni­ver­sity in Rom (Italien). Rens­mann lehrte und forschte zudem u.a. an der Uni­ver­sity of Michi­gan, der Yale Uni­ver­sity un der Uni­ver­sity of Cali­for­nia at Ber­ke­ley. Er berät das Joint Rese­arch Centre of the Euro­pean Com­mis­sion und ist derzeit For­scher im H2020 Rese­arch Con­sor­tium „EU IDEA“. For­schungs­schwer­punkte u.a.: globale und euro­päi­sche poli­ti­sche Theorie, Phi­lo­so­phie und Ideen­ge­schichte; euro­päi­sche und globale Politik; euro­päi­sche Par­teien, Par­tei­en­sys­teme und Demo­kra­tie­kri­sen im Ver­gleich; Kri­ti­sche Theorie; Rechts­po­pu­lis­mus, Rechts­ex­tre­mis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Ras­sis­mus in Europa; euro­päi­sche und deut­sche Geschichts­po­li­tik; inter­na­tio­nale Politik und Sport. Ver­öf­fent­li­chun­gen u.a. The Poli­tics of Unre­a­son: The Frank­furt School and the Origins of Modern Anti­se­mi­tism (State Uni­ver­sity of New York Press, 2017), Arendt and Adorno: Poli­ti­cal and Phi­lo­so­phi­cal Inves­ti­ga­ti­ons (Stan­ford Uni­ver­sity Press, hrsg. mit Samir Gan­de­sha, 2012), Gaming the World: How Sports are Resha­ping Global Poli­tics and Culture (Prince­ton Uni­ver­sity Press, mit Andrei S. Mar­ko­vits, 2010).

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Fuß­no­ten

  1. Vgl. Dome­nico Conte: „Oswald Speng­ler – Eine Ein­füh­rung“, Leipzig 2004, S.16; Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  2. Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  3. Vgl. Paul Hoser: „Ein Philsoph im Irr­gar­ten der Politik – Oswald Speng­lers Pläne für eine geheime Lenkung der Presse“, Vier­tel­jah­res­hefte für Zeit­ge­schichte 38, 3 (1990), S. 435–458, hier S. 438, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1990_3_4_hoser.pdf#page=20.
  4. Ebd., S. 458.
  5. Vgl. Dome­nico Conte: „Oswald Speng­ler – Eine Ein­füh­rung“, Leipzig 2004, S. 103.
  6. Herbert Schnä­del­bach: „Phi­lo­so­phie in Deutsch­land 1831–1933“, Frank­furt a. M. 1988, S. 174.
  7. Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  8. Oswald Speng­ler: „Der Unter­gang des Abend­lan­des – Umrisse einer Mor­pho­lo­gie der Welt­ge­schichte“, München 1922/​23, S. 6ff.
  9. Ebd., S. 144.
  10. Ebd., S. 125–152, beson­ders S. 135 ff.
  11. Alex­an­der Bein: „Der jüdi­sche Parasit – Bemer­kun­gen zur Seman­tik der Juden­frage“, in: Vier­tel­jah­res­hefte für Zeit­ge­schichte 13, 2 (1965), S.121–149, hier S. 150, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1965_2_1_bein.pdf.
  12. Oswald Speng­ler: „Der Unter­gang des Abend­lan­des – Umrisse einer Mor­pho­lo­gie der Welt­ge­schichte“, München 1922/​23, S. 135.
  13. Ebd., S. 1109.
  14. Ebd., S. 977.
  15. Ebd., S. 1109.
  16. Ebd., S. 143.
  17. Ebd., S. 143.
  18. Ebd., S. 145.
  19. Ebd., S. 939: „Jede große Kultur beginnt mit einem gewal­ti­gen Thema, das sich aus dem stadt­lo­sen Lande erhebt, in den Städten mit ihren Künsten und Denk­wei­sen viel­stim­mig durch­ge­führt wird und in den Welt­städ­ten im Finale des Mate­ria­lis­mus aus­klingt. Aber selbst die letzten Akkorde halten streng die Tonart des Ganzen fest. Es gibt einen chi­ne­si­schen, indi­schen, antiken, ara­bi­schen, abend­län­di­schen Mate­ria­lis­mus, der in jedem ein­zel­nen Falle nichts ist als die ursprüng­li­che mythi­sche Gestal­ten­fülle, unter Abzie­hung alles Erleb­ten und Erschau­ten mecha­nis­tisch gefaßt.“
  20. Ebd., S. 676.
  21. Ebd., S. 1089.
  22. Ebd., S. 681.
  23. Zitiert nach Theodor W. Adorno: „Speng­ler nach dem Unter­gang“, in: Prismen: Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft. Frank­furt a.M. 1969, S. 56.
  24. Zitiert nach Florian Gold­berg: „100 Jahre ‚Unter­gang des Abend­lan­des‘ – Vorbild für Popu­lis­ten?“, in: Deutsch­land­funk, 2. Juli 2018, https://www.deutschlandfunkkultur.de/100-jahre-untergang-des-abendlandes-vorbild-fuer-populisten.1005.de.html?dram:article_id=421769.
  25. Vgl. Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017. Hagen Schulze weist darauf hin, dass Speng­ler der Westen, der Libe­ra­lis­mus und die Demo­kra­tie als Plu­to­kra­tie so ver­ach­tet waren, dass er am Ende sogar mit einem Bündnis mit Russ­land lieb­äu­gelte. Vgl. Hagen Schulze: „Weimar: Deutsch­land 1917—1933“, Berlin 1994, S. 137.
  26. Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017, S. 182.
  27. Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  28. Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017, S. 165.
  29. Vgl. Volker Weiß: „Moderne Anti­mo­derne – Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Kon­ser­va­tis­mus“, Pader­born 2012, S. 175.
  30. Theodor W. Adorno: „Wird Speng­ler recht­be­hal­ten?“, in: „Kritik – Kleine Schrif­ten zur Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1971, S. 94.
  31. Ebd., S. 99.
  32. Theodor W. Adorno: „Speng­ler nach dem Unter­gang“, in: „Prismen – Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1969, S.51 und 53.
  33. Theodor W. Adorno: „Wird Speng­ler recht­be­hal­ten?“, in: „Kritik – Kleine Schrif­ten zur Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1971, S. 97.
  34. Theodor W. Adorno: „Speng­ler nach dem Unter­gang“, in: „Prismen – Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1969, S.54.
  35. Ebd.
  36. Ebd., S. 58.
  37. Ebd., S. 60.
  38. Ebd., S. 55.
  39. Theodor W. Adorno: „Wird Speng­ler recht­be­hal­ten?“, in: „Kritik – Kleine Schrif­ten zur Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1971, S. 96.
  40. Ebd., S. 98f.
  41. Ebd., S. 100.
  42. Ebd.
  43. Ebd., S. 103.
  44. Vgl. Ebd., S. 101.
  45. Ebd., S. 103–104.
  46. Vgl. Lars Rens­mann: „Demo­kra­tie und Juden­bild“, Wies­ba­den 2004, S. 161.
  47. Alex­an­der Bein, „Der jüdi­sche Parasit – Bemer­kun­gen zur Seman­tik der Juden­frage“, in: Vier­tel­jah­res­hefte für Zeit­ge­schichte 13, 2 (1965), S.121–149, hier S. 150, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1965_2_1_bein.pdf.
  48. Vgl. Ebd.
  49. Oswald Speng­ler: „Der Unter­gang des Abend­lan­des – Umrisse einer Mor­pho­lo­gie der Welt­ge­schichte“, München 1922/​23, S.955.
  50. Zitiert nach Alex­an­der Bein, „Der jüdi­sche Parasit – Bemer­kun­gen zur Seman­tik der Juden­frage“, in: Vier­tel­jah­res­hefte für Zeit­ge­schichte 13, 2 (1965), S.121–149, hier S. 151, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1965_2_1_bein.pdf.
    Die These von der „Zer­set­zung“ ist bei Speng­ler durch­aus schil­lernd. Das Juden­tum wird stets mit Zer­set­zung und Zer­stö­rung und einer ver­nei­nen­den, „inner­lich fremden“ Kraft in Ver­bin­dung gebracht, aber zumeist auch mit seiner eigenen Zerstörung.
  51. Zitiert nach Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  52. Oswald Speng­ler: „Der Unter­gang des Abend­lan­des – Umrisse einer Mor­pho­lo­gie der Welt­ge­schichte“, München 1922/​23, S.955, Her­vor­he­bung L.R.
  53. Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  54. Ebd.
  55. Vgl. Ebd.
  56. Oswald Speng­ler: „Der Unter­gang des Abend­lan­des – Umrisse einer Mor­pho­lo­gie der Welt­ge­schichte“, München 1922/​23, S.711.
  57. Ebd., S. 710.
  58. Ebd., S. 958.
  59. Ebd., S. 880.
  60. Ebd., S. 711.
  61. Vgl. Oswald Speng­ler: „Jahre der Ent­schei­dung“, München 1933; vgl. auch Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  62. Ulrich Wyrwa: Speng­ler, Oswald. In: Wolf­gang Benz (Hg.): „Hand­buch des Anti­se­mi­tis­mus“, Bd. 2: Per­so­nen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  63. Vgl. Thomas Mann: „Über die Lehre Speng­lers“, in: „Gesam­melte Werke in drei­zehn Bänden – Band 10: Reden und Auf­sätze“, Teil 2. Frank­furt a.M. 1974.
  64. Adorno behaup­tet gar, aus meiner Sicht über­zo­gen, die öffent­li­che Meinung in Deutsch­land habe sich „sehr rasch“ gegen den „Unter­gang des Abend­lan­des“ gekehrt, und er redet 1950 vom „vergessene[n] Speng­ler“: „Kaum dass man noch von seinen Bezie­hun­gen zu den Natio­nal­so­zia­lis­ten, seinem Streit mit Hitler und endlich seinem Tod Notiz nahm. In Deutsch­land war er, als Schwarz­se­her und Reak­tio­när, so wie eben die zeit­ge­nös­si­schen Herren solche Worte brauch­ten, verfemt, im Ausland galt er als einer der ideo­lo­gi­schen Mit­schul­di­gen am Rück­fall in die Bar­ba­rei.“ Vgl. Theodor W. Adorno: „Speng­ler nach dem Unter­gang“, in: „Prismen – Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft“, Frank­furt a. M. 1969, S. 51–52.
  65. Vgl. Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017, S. 165
  66. Vgl. Theodor W. Adorno: „Speng­ler nach dem Unter­gang“, in: „Prismen – Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1969, S. 51.
  67. Vgl. Richard Wolin: „Hei­deg­gers ‚Schwarze Hefte‘ – Natio­nal­so­zia­lis­mus, Welt­ju­den­tum und Seins­ge­schichte“, in: „Vier­tel­jahrs­hefte für Zeit­ge­schichte 63“, 3 (2015), S. 379–410.
  68. Vgl. Richard Faber: „Abend­land: Ein ‚poli­ti­scher Kampf­be­griff‘“, Hil­des­heim 1979. Vgl. auch Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017, S. 177.
  69. Vgl. Armin Baltzer: „Unter­gang oder Voll­endung – Speng­lers blei­bende Bedeu­tung für die Gegen­wart“, Göt­tin­gen 1956.
  70. Vgl. Gold­berg: „100 Jahre ‚Unter­gang des Abend­lan­des‘– Vorbild für Popu­lis­ten?“, in: Deutsch­land­funk, 2. Juli 2018, https://www.deutschlandfunkkultur.de/100-jahre-untergang-des-abendlandes-vorbild-fuer-populisten.1005.de.html?dram:article_id=421769.
  71. Ebd.
  72. Zitiert nach ebd.
  73. Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017, S. 149–150.
  74. Ebd., S. 150.
  75. Ebd., S. 12f.
  76. Vgl. Micha Brumlik: „Das alte Denken der Neuen Rechten – Mit Hei­deg­ger und Evola gegen die offene Gesell­schaft“, in: „Blätter für deut­sche und inter­na­tio­nale Politik 3“ (2016), S.81–92.
  77. Vgl. Lars Rens­mann und Samir Gan­de­sha: „Under­stan­ding Poli­ti­cal Moder­nity – Rerea­ding Arendt and Adorno in Com­pa­ra­tive Per­spec­tive“, in: Lars Rens­mann und Samir Gan­de­sha, (Hg.): „Arendt and Adorno – Poli­ti­cal and Phi­lo­so­phi­cal Inves­ti­ga­ti­ons“, Stan­ford 2012, S. 1–27.
  78. Der spe­zi­fi­sche, von Speng­ler gepflegte Mythos „Abend­land“ hat dabei zuneh­mend wieder einen zen­tra­len Stel­len­wert im poli­ti­schen Voka­bu­lar einer auto­ri­tär-natio­na­lis­ti­schen Rechten in Deutsch­land. Ein Bei­spiel ist Björn Höcke, der diesen Mythos auch auf „antike und ger­ma­ni­sche Wurzeln“ bezogen wissen will. Zitiert nach Volker Weiß: „Die auto­ri­täre Revolte“, Stutt­gart 2017, S. 157, auch S. 155–186.
  79. Vgl. Daan Jon­ge­jan: „Intel­lec­tue­len en Verval – Speng­lers onder­gangs­ver­toog, nao­or­logse rechtse bewe­gin­gen en Thierry Baudet“, Bache­lor­scrip­tie Raboud Uni­ver­sit­eit 2018, https://theses.ubn.ru.nl/bitstream/handle/123456789/7369/Jongejan%2C_Daan_D._1.pdf?sequence=1.
  80. Theodor W. Adorno: „Speng­ler nach dem Unter­gang“, in: „Prismen – Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1969, S. 74
  81. Wolf Lepe­nies: „End­zeit­ge­mäße Betrach­tun­gen – Ame­ri­ka­ni­sche Ent­rü­ckun­gen und der Unter­gang des Abend­lan­des“, in: Süd­deut­sche Zeitung, 8. August 2002, S. 11.
  82. Theodor W. Adorno: „Wird Speng­ler recht­be­hal­ten?“, in: „Kritik – Kleine Schrif­ten zur Gesell­schaft“, Frank­furt a.M. 1971, S.103.
  83. Siehe Lars Rens­mann: „Demo­kra­tie und Juden­bild“, Wies­ba­den 2004, S. 487. Speng­ler mobi­li­siert dabei den ver­ding­lich­ten Affekt gegen das Geld statt die Kritik der poli­ti­schen Öko­no­mie und der demo­kra­tie­ge­fähr­den­den sozia­len Ungleich­hei­ten in einem auch heute der (mitt­ler­weile weit­ge­hend unre­gu­lierte, neo-libe­rale) Kapi­ta­lis­mus zur Herr­schaft der Mono­pole drängt.
  84. So Alex­an­der Demandt: „Speng­lers Unter­gang“, in: Lite­ra­ri­sche Welt /​ Die Welt, 27. März 1999.
  85. Vgl. Manfred Gangl, Gilbert Merlio, Markus Ophäl­ders (Hg.): „Speng­ler  Ein Denker der Zei­ten­wende“, Frank­furt a. M. 2009.
  86. Hermann Baer: „Der Unter­gang“, in: Süd­deut­sche Zeitung, 17. Mai 2010., https://www.sueddeutsche.de/kultur/oswald-spengler-der-untergang‑1.540100.
  87. Ebd.
  88. Ebd.
  89. Lars Rens­mann: „The Poli­tics of Unre­a­son“, Albany, NY 2017.