Kul­tur­pes­si­mis­mus

Die west­li­che Gesell­schaft befinde sich in ihrem End­sta­dium, heißt es oft in Anleh­nung an Oswald Speng­ler. Sie gehe an ihrer Deka­denz zugrunde. Überall finden sich Zeichen von Verfall und Selbst­auf­lö­sung. Es gelten keine Werte mehr. Wir haben unsere Selbst­ach­tung ver­lo­ren. Es gebe nichts mehr, für das zu sterben oder auch nur ein­zu­tre­ten sich lohnen würde. Der per­ma­nente Tabu­bruch ist der Norm­zu­stand. Er müsse immer weiter auf die Spitze getrie­ben werden, um noch eine Regung zu erzeu­gen. Alles sei erlaubt. Alles sei erschlafft. Es gebe keine Ori­en­tie­rung, keine ord­nende Kraft mehr. Die Men­schen sind ver­ein­zelt und einsam. Es fehlt die Gemein­schaft, die dem Indi­vi­duum Halt gibt. Die kom­mer­zi­elle, tra­di­ti­ons­ver­ges­sene, indi­vi­dua­lis­ti­sche Gesell­schaft kann keine Iden­ti­tät mehr bieten. Sie ist schwach und dem Unter­gang geweiht. Neue, vitale Mächte seien im Auf­stieg begrif­fen. Sie werden unserer ober­fläch­li­chen Zivi­li­sa­tion – die alle Merk­male einer echten Kultur ver­lo­ren hat – den ver­dien­ten Todes­stoß versetzen.

Womög­lich hatte der ehe­ma­lige SPD-Poli­­ti­­ker Albrecht Müller ein Projekt vor­bild­li­cher Gegen­öf­fent­lich­keit im Sinn, als er 2003 die Nach­Denk­Sei­ten star­tete. Er ist nach wie vor Her­aus­ge­ber. Das Portal hat sich auf den ersten Blick ein jour­na­lis­ti­sches Profil gegeben. Kern des Blogs: werk­täg­li­che „Hin­weise des Tages“, eine Art Pres­se­spie­gel mit poin­tier­ten Kurz­kom­men­ta­ren. Doch Müllers Alli­an­zen sind recht ein­deu­tig. Er sucht die Nähe zu Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen wie dem nach Anti­se­mi­tis­mus­vor­wür­fen gefeu­er­ten rbb-Mode­ra­tor Ken Jebsen oder Links­sek­tie­rern wie dem lang­jäh­ri­gen Linken-Bun­­­des­­tags­­a­b­­ge­or­d­­ne­­ten Diether Dehm. Müller und die beiden geben sich immer wieder wech­sel­sei­tig ein Podium. „Weg vom links­so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Main­stream, hin zum wahn­sin­ni­gen Rand“, kom­men­tierte 2015 die taz. Viele Bei­träge auf den Nach­Denk­Sei­ten werben für ein bes­se­res Ver­hält­nis mit Russ­land. Müller meint zum Bei­spiel, ohne (den rus­si­schen Pro­pa­gan­da­sen­der) RT DE „wären wir noch schlech­ter infor­miert“. Über China heißt es in einem Gast­bei­trag, das Land müsse sich, „was die Men­schen­rechte als auch was Demo­kra­tie anbe­langt, nicht hinter dem Westen ver­ste­cken“. Her­aus­ra­gen­des Thema aktuell ist die Corona-Politik. Mit Kritik an einer angeb­li­chen „Tyran­nei der Panik­ma­cher“ der Behaup­tung von „Hass“ der „öffen­t­­lich-rech­t­­li­chen Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie“ gegen Unge­impfte oder Kritik an einer „bürger- und demo­kra­tie­ver­ach­ten­den Politik“ der Bun­des­re­gie­rung befin­den sich die Nach­Denk­Sei­ten hier auf „Querdenker“-Niveau. m.m.

  „Die libe­rale Demo­kra­tie und ihre Gegner“ – so lautete der Titel der Abschluss­kon­fe­renz des Pro­jekts „Geg­ner­ana­lyse“, die am 10. Oktober 2019 in Berlin statt­fand. Im Zentrum stand die Frage: Was lernen...

Am 14. März 2019 findet die zweite Podi­ums­dis­kus­sion im Rahmen des Pro­jekts „Die libe­rale Demo­kra­tie und ihre Gegner statt“.

Die AfD musste bei den Land­tags­wah­len in Baden-Wür­­t­­­te­­m­­­berg und Rhein­­­land-Pfalz erneut deut­li­che Ver­luste hin­neh­men. Damit bestä­tigt sich ein Trend in den Umfra­gen auf Bun­des­ebene. Ist der Höhen­flug der AfD vorbei?

Podi­ums­dis­kus­sion mit Prof. Dr. Barbara Zehn­pfen­nig, Dr. Gerd Koenen und Ralf Fücks am 05.09.2019

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