Qlobal-Change auf Telegram

In Deutsch­land gibt es die größte, nicht-eng­lisch­spra­chige QAnon-Gemeinde. Die Tele­gram­gruppe Qlobal-Change ist mit knapp 140.000 Abon­nen­ten der größte QAnon-Kanal im deutsch­spra­chi­gen Raum. Mehr­mals täglich werden hier über­setzte Nach­rich­ten im Sinne der US-ame­ri­ka­ni­schen QAnon-Ideo­lo­gie aus­ge­spielt. Die zen­trale Behaup­tung dahin­ter ist, dass die Welt von einer ein­fluss­rei­chen sata­ni­schen Elite regiert werde, die das Blut ent­führ­ter Kinder trinke und Teil eines angeb­li­chen “Deep State” – eines welt­po­li­ti­schen Macht­ge­flechts hinter den offi­zi­el­len Struk­tu­ren – sei. Dieser arbeite auf einen gesell­schaft­li­chen Eska­la­ti­ons­zu­stand hin, der im “Great Reset”, einem Umsturz durch eine elitäre Gruppe, gipfele.

In diesem Sinne berich­tet das QAnon-nahe Nach­rich­ten­for­mat X22 Report über den Angriffs­krieg auf die Ukraine als Vor­ge­schmack auf ein gesell­schaft­li­ches End­sze­na­rio: “In der Ukraine wird uns vor­ge­führt, was gesche­hen wird, wenn sie mit ihrer Neuen Welt­ord­nung vor­an­schrei­ten.” Dabei kri­ti­siert der Beitrag nicht die rus­si­sche Inva­sion – viel­mehr wird die Ukraine als eigent­li­cher Aggres­sor benannt.

Qlobal-Change zitiert auf Tele­gram einen Tweet des US-ame­ri­ka­ni­schen Rechts­an­walts Robert Barnes und behaup­tet: “Die Ukraine prahlt mit der Ver­haf­tung von Men­schen wegen ihrer Bei­träge in den Sozia­len Medien.” Barnes hat 2016 ein Ver­mö­gen mit Wetten auf den Wahl­sieg Donald Trumps ver­dient. In seinem Tweet zieht er Par­al­le­len zwi­schen diesen ver­meint­li­chen Repres­sio­nen in der Ukraine und dem kürz­lich ins Leben geru­fe­nen US-ame­ri­ka­ni­schen Gremium Dis­in­for­ma­tion Gover­nance Board, welches das Minis­te­rium für Innere Sicher­heit berät. Qlobal-Change über­setzt Barnes mit fol­gen­den Worten: “Schau dir jetzt den Minis­ter gegen Fehl­in­for­ma­tio­nen an. Dann weißt du, worauf das hinausläuft.”

Gemeint ist Nina Jan­ko­wicz, Direk­to­rin des Dis­in­for­ma­tion Gover­nance Board. Seit ihrer Ernen­nung wird sie in QAnon-Kanälen als Teil des angeb­li­chen „Deep State“ ver­un­glimpft. Noch die kleinste per­sön­li­che Geschichte, wird dabei im Sinne der QAnon-Ideo­lo­gie aus­ge­schlach­tet. X22 Report etwa berich­tete fol­gen­der­ma­ßen dies: “Nina Jan­ko­wicz, die das neue Wahr­heits­mi­nis­te­rium des Hei­mats­schutz­mi­nis­te­ri­ums leiten soll, war Mit­glied einer Zau­be­rer­rock­band namens die Mau­len­den Myrten (The Moaning Myrtels), in der sie über den Sex von toten Kindern mit Harry Potter sang und eine Nummer schmet­ter­ten, in der sie Jungen in Mäd­chen­toi­let­ten als gru­se­lig bezeich­ne­ten.” Die 2005 im Tee­an­ger­al­ter gegrün­dete Fan­fic­tion­band von Jan­ko­wicz dient im QAnon-Bericht als Beweis für deren angeb­lich man­gelnde fach­li­che Exper­tise – Jan­ko­wicz‘ Tweets seien auch schon früher nur “nach­ge­plap­perte Pro­pa­ganda aus den Fake-News-Medien” gewesen. KW

 

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